Nach 150 Jahren kehrt der Wolf nun nach Deutschland zurück. Auch in Niedersachsen gibt es neun Wolfsrudel bzw. rund 80 Tiere. Die Rückkehr des Wolfes polarisiert: Von der einen Seite wird er als Erfolgsbeispiel des Arten-und Naturschutzes gefeiert, von der anderen Seite als Gefahr für Kinder, Jogger*innen und sogenannte „Nutztiere“ gebrandmarkt. In Brandenburg gab es sogar bereits mehrere Fälle, bei denen Wölfe erschossen und anschließend geköpft worden sind. Dies stellt einen schweren Verstoß gegen das Artenschutzgesetz dar und ist somit eine Straftat, Täter*innen sind jedoch nur sehr schwer zu ermitteln.

Aktuell steht der Wolf unter strengem Artenschutz. Forderungen, den Wolf stattdessen unter das Jagdrecht zu stellen, treten wir als GRÜNE JUGEND Niedersachsen entschieden entgegen. Der Wolf ist für die Biodiversität und die natürliche Selbstregulierung von Tierbeständen von großer Bedeutung.

Die Vereinten Nationen haben 2015 zum Internationalen Jahr des Bodens erklärt, um ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass Boden mehr ist als der Grund unter unseren Füßen. Ein ökologisch intakter Boden ist Grundlage unserer Ernährung und unverzichtbare Bedingung für sauberes Trinkwasser.

Diese Tatsache scheint in der Realität noch nicht besonders wahrgenommen zu werden und ist in den Köpfen der meisten Politiker*innen weltweit, in Europa und lokal noch nicht angekommen: Weltweit steigen die Absatzzahlen für Herbizide, zynischerweise „Pflanzenschutzmittel“ genannt, ins unermessliche. Grade in Ländern in denen nicht nur die Wirkstoffe, sondern auch gentechnisch veränderte Pflanzen zugelassen sind, werden Pflanzenschutzmittel jedes Jahr mehr verkauft. Die Pflanzen werden dort gentechnisch so verändert, dass sie gegen bestimmte Wirkstoffe resistent sind. Für die Landwirt*innen wird es damit möglich ihre Äcker auch während des Wachstums der Erntepflanzen gegen Unkräuter zu behandeln. Unkräuter bilden mit der Zeit jedoch Resistenzen gegen die ausgebrachten Wirkstoffe. Die Konsequenz daraus ist, dass mehr Mittel ausgebracht werden, um die Unkräuter wieder bekämpfen zu können. Das gentechnisch veränderte Saatgut wird häufig von denselben Hersteller*innen verkauft, wie das Mittel mit den zu den Pflanzen passenden Wirkstoffen. Die Menschen kommen dadurch in eine Abhängigkeit, der sie nur schwer bis gar nicht entfliehen können.

Palmöl befindet sich in etwa 50 % der Lebensmittel im durchschnittlichen Supermarkt. Dabei geht es um Produkte wie Schokolade, Margarine, Fertiggerichten, Kosmetika, Haar- und Kleidungswaschmittel. Auch in Kraftstoffen findet es Anwendung. Es wird aus den Früchten der Ölpalme gewonnen und zu ungefähr 85 % (2007) in Malaysia und Indonesien hergestellt. Seit Dezember 2014 gilt eine neue EU-Verordnung, nach welcher Palmöl in der Zutatenliste der Lebensmittel explizit aufgeführt werden muss und nicht wie zuvor unter anderen Begriffen wie ”Pflanzliches Öl” zusammengefasst werden kann.

Letztes Wochenende fand auf dem Demeter-Hof „Hof Luna“ im schönen Leinebergland das Seminar „Essen & Trinken: Politik auf dem Teller“ statt.

Von Nahrungsmittelverschwendung und Welthunger, über Angler Rinder alter Zuchtrichtung vs. Turbokuh, bis hin zu Ernährungssouveränität, Nährstoffkreisläufen und nachhaltiger Landwirtschaft – bei diesem Seminar war wirklich alles dabei, was für einen rasanten Einstieg ins Thema Ernährungspolitik nötig ist. Einen Workshop machten mit uns zwei Menschen von der jAbL (junge Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft). Dabei ging es unter anderem um Solidarische Landwirtschaft (oft auch CSA genannt, was Community Supported Agriculture bedeutet). Besonders dieser Workshop konnte beide Seiten anscheinend so sehr begeistern, dass mensch auf zukünftige Zusammenarbeit hoffen und gespannt sein darf!

Welthunger ist viel mehr als einzelne Katastrophen oder Krisen. Welthunger, das sind seit Jahrzehnten rund eine Milliarde Hunger leidende und drei Milliarden unterernährte Menschen. Welthunger hat System. Derzeit wird weltweit ungefähr zweimal so viel Nahrung und Energie wie nötig produziert und riesige Mengen davon verschwendet, weil extrem viel Nahrung weggeworfen wird und in vielen Ländern zu viele tierische Produkte konsumiert werden.

In 2009 stand global betrachtet einem Menschen weniger als die Hälfte der landwirtschaftlich nutzbaren Fläche als 50 Jahre zuvor zur Verfügung. Insgesamt werden weltweit eineinhalb Milliarden Hektar, zwölf Prozent der Erdoberfläche, landwirtschaftlich genutzt. Eine Ausweitung dieser Fläche ist kaum noch möglich, im Gegenteil gehen jedes Jahr zehn Millionen Hektar Land durch nicht angepasste Nutzung verloren und der Klimawandel sowie der drastische Verlust der Biodiversität werden beschleunigt und verschlechtern ihrerseits die Situation zunehmend.

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Niedersachsen und die GRÜNE JUGEND Niedersachsen rufen für kommenden Samstag (10. November) gemeinsam mit einem breiten Aktionsbündnis zur Teilnahme an der Großdemonstration für eine neue, faire Agrarpolitik in Niedersachsen auf.

Über fünfzig Landwirtschafts-, Umwelt-, Tierschutz-, Verbraucher-, Eine-Welt-Organisationen und Bürgerinitiativen beteiligen sich unter dem Motto „Wir haben es satt!“ an der Demonstration in Hannover. Auch die Landesvorsitzende und Spitzenkandidatin der niedersächsischen Grünen, Anja Piel, ruft zur Teilnahme auf: „Durch eine jahrzehntelange falsche Agrarpolitik ist Niedersachsen das Land der industriellen Massentierhaltung geworden. Wir lehnen Agrarfabriken strikt ab und fordern eine artgerechte Tierhaltung und den Stopp überdimensionierter Mast- und Schlachtanlagen.“ Trotz gestiegener Nachfrage sei Niedersachsen bundesweites Schlusslicht beim Ökolandbau. Eine rot-grüne Landesregierung werde ab 2013 den Wechsel vom Land der Agrarindustrie zum Land der nachhaltigen Landwirtschaft einleiten, so Piel.

An diesem Wochenende debattierte der Jugendverband von Bündnis 90/ Die Grünen Niedersachsen in Waffensen bei Rotenburg über Bio-Boom und die Chancen des ökologischen Lebensstils. Außerdem wählte die Landesmitgliederversammlung die beiden SprecherInnen und weitere Vorstandsmitglieder neu.

In einem Grundsatzpapier fordern die rund 50 TeilnehmerInnen ein nachhaltiges Konsumverhalten in allen Lebensbereichen durchzusetzen. Dafür sollen die Rechte der VerbraucherInnen gestärkt werden und die politischen Rahmenbedingungen für eine ökologische und soziale Produktionsweise geschaffen werden. Die GRÜNE JUGEND fordert eine Weiterentwicklung der ökologischen Steuerreform, die bundesweite Einrichtung von TramperInnenstellen und gentechnisch veränderte Lebensmittel in der EU zu verbieten.

Karina Baalmann, die neu gewählte Sprecherin der GRÜNEN JUGEND Niedersachsen: „VerbraucherInnen brauchen endlich mehr Rechte! Das Bio-Siegel muss eine Garantie für kontrollierten, ökologischen Anbau und eine gentechnikfreie Landwirtschaft bleiben. Außerdem sollten auch Kosmetika und Medikamente auf soziale und ökologische Verträglichkeit geprüft werden.“
Der neu gewählte Sprecher Sven-Christan Kindler ergänzt: „Dazu muss der Staat aber auch endlich handeln. Die Wirtschaft wird nicht von alleine grün. Wir brauchen starke ökologische und soziale Steuerungsmechanismen. Deswegen fordern wir die Steuern auf Energie und umweltschädliche Produkte zu erhöhen und die Mehreinnahmen für soziale Zwecke zu verwenden.“
Die GRÜNE JUGEND hat zudem weitreichende Änderungsanträge für das Grüne Landtagswahlprogramm beschlossen, die sie auf dem Parteitag in Oldenburg durchsetzen will. Das aktive Wahlrecht soll bei Landes- und Kommunalwahlen auf mindestens 14 Jahre gesenkt werden und die Vermögenssteuer wieder eingeführt werden.
Neben Baalmann und Kindler wurde Luisa Streckenbach, vormalige Beisitzerin im Landesvorstand zur politischen Geschäftsführerin gewählt.

Beschlossen auf der Landesmitgliederversammlung in Hannover

Grünerleben – Ökologischer Lebensstil ganz easy!

Die Naturkatastrophen der letzten Jahre, von El Nino bis Oder- und Elbeflut, haben eines mehr als deutlich gemacht: Es ist höchste Zeit für einen Wechsel in der Politik. Der Mensch lebt heute weit über seinen Verhältnissen er betreibt Raubbau an der Natur und zerstört damit nach und nach seine eigene Lebensgrundlage.

Die Skandale um BSE, Dioxin und verseuchte Futtermittel zeigen, dass auch im Bereich der Nahrungsmittelproduktion gravierende Veränderungen notwendig sind. Deutschland hat im Bereich der Umweltpolitik in den letzten Jahren Fortschritte erzielt, es sind jedoch weitere Schritte notwendig, um den drohenden Kollaps der Ökosysteme zu verhindern. Hierbei ist jedoch nicht nur die Politik, sondern jedeR Einzelne gefordert, seinen Beitrag zur Rettung der Erde zu leisten. Wir können mehr tun, als wir annehmen, denn fast unser gesamtes Verhalten hat Auswirkungen, die allzu oft unterschätzt werden!