Die GRÜNE JUGEND Niedersachsen (GJN) unterstützt den Aufruf der Humanistischen Union (HU) zur Kundgebung anlässlich der Feier des 60. Jubiläums des Loccumer Vertrags zwischen der evangelischen Landeskirche und dem Land Niedersachsen. Die Kundgebung wird am Dienstag, den 23. Juni um 17 Uhr vor dem Gästehaus der Landesregierung (Lüerstraße 5, Hannover) stattfinden.

„Der Begriff [Intersexualität] bezeichnet biologische Besonderheiten bei der Geschlechtsdifferenzierung. Intersexuelle Körper weisen deshalb Ähnlichkeiten mit beiden, dem männlichen wie weiblichen, Geschlechtern auf. […] Es handelt sich also um Menschen, deren äußeres geschlechtliches Erscheinungsbild von Geburt an hinsichtlich der Chromosomen, der Keimdrüsen und der Hormonproduktion nicht nur männlich oder nur weiblich erscheint, sondern scheinbar eine Mischung aus beidem darstellt.“ [1]

Am Samstag, dem 14.2., fand der erste Gendertag der GRÜNEN JUGEND Niedersachsen statt. Bei dieser eintägigen Veranstaltung ging es uns darum, ein Forum für alle Mitglieder und Interessierte zu schaffen, sich abseits der Gendertreffen auf Landesmitgliederversammlungen mit diesem Themenbereich zu beschäftigen. Dieser Text ist ein kurzer Bericht über den Inhalt dieses sehr erfolgreichen Experiments:

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Workshop zu sexueller Gewalt an Frauen* mit Behinderung mit Katrin Langensiepen

Der erste Workshop des Tages wurde durch Katrin Langensiepen, Sprecherin der grünen Landesarbeitsgemeinschaft Soziales, geleitet. Sie führte zu Beginn in die Bielefelder Studie zu sexueller Gewalt an Frauen* mit Behinderung ein. In dieser wurden Frauen* mit Behinderung sowohl in Einrichtungen als auch in Haushalten zu ihren (sexualisierten) Gewalterfahrungen befragt. Hier wurde deutlich, wie selten insbesondere Frauen* in Einrichtungen ihre Rechte auf Privatsphäre und körperliche Unversehrtheit verwirklichen können. Da eine Anstellung auf dem ersten Arbeitsmarkt für Menschen mit Behinderung selten erreicht wird und Werkstätten oft weit außerhalb der Ballungsräume angesiedelt sind, ergeben sich zwangsläufig starke Abhängigkeitsverhältnisse zu Pflegekräften. Dass dieser Umstand häufig für sexuelle Übergriffe ausgenutzt wird, geht aus der Studie deutlich hervor. Doch nicht nur Pflegekräfte vergreifen sich an Frauen*: auch von Zimmernachbarn und in Beziehungen ist sexuelle Gewalt an der Tagesordnung.

Liebe Leser*innen,
pünktlich zur kommenden Landesmitgliederversammlung vom 24.-26. Oktober in Braunschweig haltet ihr die neue Ausgabe des Igels in den Händen. Wir freuen uns sehr über den neuen Igel mit dem Thema Gender. Genauso vielfältig wie das Thema Gender sind auch die Beiträge in dieser Ausgabe. Die Artikel in dieser Ausgabe behandeln die unterschiedlichsten Themenbereiche von den Rechten von Homosexuellen bis zu Frauenrechten. Neben den Artikeln findet ihr ein Gender-ABC, in dem wichtige Begriffe aus dem Bereich Gender definiert werden. So habt ihr eine kleine Übersicht mit den Hauptbegriffen immer zur Hand, falls euch mal eine Definition fehlt. Neben den Artikeln und dem Gender-ABC berichten in dieser Ausgabe unterschiedliche Gremien der Grünen Jugend und der Grünen über ihre Arbeit.
Da bei der kommenden LMV auch die Neuwahl der Igelredaktion ansteht, haben wir euch in dieser Ausgabe auch eine Übersicht zusammengestellt, wie so eine Ausgabe des Igels entsteht. Vielleicht hast auch du Lust dich zu bewerben.

Wir wünschen euch nun viel Spaß beim Lesen und hoffen, dass euch diese Ausgabe genauso gut gefällt wie uns!
Eure IGEL-Redax

Ausgabe 65 zum Download

Hannover – Die AfD-nahe „Initiative Familien-Schutz“ organisiert am Samstag, den 22.11.2014 eine Demonstration gegen die Pläne der niedersächsischen Landesregierung, die Vielfalt von sexuellen Identitäten sowie Familien- und Rollenbildern als Querschnittsthema in Bildungseinrichtungen zu verankern. Ein breites Bündnis zahlreicher Verbände, darunter die GRÜNE JUGEND Niedersachsen (GJN), sowie aller Parteien im Landtag außer der CDU ruft zur Teilnahme an der Gegenkundgebung „Vielfalt statt Einfalt“ auf.

„Wir begrüßen das Vorhaben der Landesregierung ausdrücklich, der realen Vielfalt von Sexualität, Geschlecht und Lebensentwürfen auch im Bildungsplan einen Platz einzuräumen.“, so Sarah Mohrmann, Sprecherin der GJN. „Nach wie vor wird „schwul“ auf dem Pausenhof als Schimpfwort genutzt, nach wie vor fürchten sich viele lesbische, schwule, bi-, trans*- oder intersexuelle Jugendliche vor etwas, das immer noch „Coming Out“ heißt, und nach wie vor erfahren Schüler*innen massiv Diskriminierung und Ausgrenzung, wenn sie nicht ins starre Raster der heterosexuellen Norm passen. Der neue Bildungsplan ist ein wichtiger Schritt in Richtung eines mobbingfreien, wertschätzenden und akzeptierenden Miteinanders an Schulen.“

Die GRÜNE JUGEND Niedersachsen lehnt jede Form von Verbindungen und insbesondere Burschenschaften ab, da diese sich vor allem durch den Ausschluss von Frauen, Homophobie, elitaristische Seilschafterei, völkisches Brauchtum und nationalchauvinistische Einstellungen charakterisieren. Die GRÜNE JUGEND Niedersachsen ruft zur Teilnahme an den Protesten gegen den bis dato jährlich stattfindenden „Tag der Deutschen Burschenschaft“ in Eisenach, den Wiener Korporiertenball (WKR-Ball) und alle anderen verbindungstudentischen Großveranstaltungen auf.
Es gibt diverse Arten von Studentenverbindungen, zu nennen sind insbesondere Burschenschaften, Corps, Landsmannschaften, Turnerschaften und Sängerschaften. Daneben gibt es auch noch eine ganze Reihe von Schülerverbindungen. Nicht alle Verbindungen sind gleich „rechts”, aber so gut wie alle sind männerbündisch und explizit antifeministisch (mit Ausnahme von Frauenverbindungen, aber dazu später mehr). Auch das sogenannte „Lebensbundprinzip”, das zur Herausbildung von Seilschaften dient, ist konstitutiv für Studentenverbindungen.

Mehr Mut zu SchLAu*!

In ihrem zweiten Interview versucht die CDU-Schulexpertin Karin Bertholdes-Sandrock, ihre schwulen- und lesbenfeindlichen Aussagen („Auf keinen Fall kann es sein, dass beispielsweise Schwule und Lesben in den Klassen allein gegenüber den Kindern auftreten.“ Dies, so die Abgeordnete, könne die Kinder überfordern) zu relativieren. Indem sie behauptet, sich nur auf externe Organisationen bezogen zu haben, versucht sie, eine Entschuldigung gegenüber den angegriffenen Personen zu umgehen.

Daraufhin Sarah Mohrmann, Sprecherin der GJN: „Wir sind empört, dass sich Bertholdes-Sandrock so einfach versucht aus der Affaire zu ziehen anstatt sich bei homosexuellen Lehrer*innen und Lehrbeauftragten für eine derartige Diskriminierung zu entschuldigen. Wir befürworten den Gesetzesvorschlag von Rot-Grün, dass Homo-, Bi-, Trans- und Intersexualität an der Schule verbindlich thematisiert werden muss. Dies sollte auch nicht nur im Sexualkundeunterricht geschehen, da „Schwuchtel“ immer noch eins der am häufig verbreitetsten Schimpfwörter ist. Dadurch fürchten viele Jugendliche, nicht von anderen toleriert und akzeptiert zu werden. Es ist ein Fehlansatz zu denken, dass man „Antworten zu Themen zu [gibt], die die Kinder gar nicht beschäftigen“(Karin Bertholdes-Sandrock), da die monogame heterosexuelle Lebensweise bereits vom Kindesalter an in Kinder- und Schulbüchern gelehrt wird und die Kinder sich bereits früh mit diesem Thema befassen.“

Auf ihrer vergangenen Landesmitgliederversammlung setzte sich die GRÜNE JUGEND Niederachsen (GJN) schwerpunktmäßig mit Geschlechterrollen, Gleichstellung und Sexualität auseinander und wählte einen neuen Landesvorstand.

Jil Dreyer, frisch gewählte Sprecherin der GJN erklärt: „Unsere Gesellschaft ist vielfältiger, als sie manches Mal dargestellt wird. Schulen sind in einer zentralen Verantwortung, ein Klima der Toleranz zu schaffen, deshalb sollen queer-theoretische Aspekte zukünftig fächerübergreifend im Unterricht und in Aus- und Fortbildung von Lehrer_innen verankert werden. Externe Netzwerke, wie beispielsweise das Schulaufklärungsprojekt „SchLAu“ bedürfen der finanziellen Unterstützung des Landes.“