Bildung & Kultur

Mit der auf der Kultusministerkonferenz beschlossenen G8-Reform wird unter anderem auch die Schulzeit am Gymnasium von 13 auf 12 Jahre verkürzt. Der auf 13 Jahren basierende Unterricht muss „ausgerümpelt“ bzw. gekürzt werden, weil alle davon auszugehen scheinen, dass die 11. Klasse nur ein „Ausruhjahr“ ist. Doch war und ist dem so, wie oft von der Landesregierung propagiert? Oder war Sie nur für manche zum relaxen und hat sie gar für viele die Chance eröffnet neue Erfahrungen mit Bildung außerhalb der Schule zu machen und eine 13 Jahre währende Repression erträglicher zu gestalten? Und selbst wenn die 11. Klasse de facto oft nur einen Übergang zur Oberstufe darstellt ist das nicht sofort mit der Abschaffung selbiger gleichzusetzen. Wir haben eine unzureichende Struktur in der 11. Klasse, die leider nicht jedes Individuum in seinem Lernprozess voranbringt. Also muss vielmehr die Situation evaluiert, Vorteile beibehalten, Nachteile verändert werden.

Das Idealbild ist der GRÜNEN JUGEND seit langem klar: Die Gesamtschule! Doch muss auch im vorhandenen System probiert werden dieses so sinnvoll und repressionsfrei wie möglich zu gestalten, bis wir unsere Utopie tatsächlich verwirklichen können. Denn ein Jahr weniger repressionistische Schulzeit heißt nicht insgesamt weniger Repression! Im Gegenteil für viele von uns Schülerinnen und Schülern wird die letzte Brücke zu Kreativität und Selbstentfaltung zerschlagen.

Leitantrag an die Landesmitgliederversammlung 13. – 15.04.2007 in Braunschweig
Antragsteller: Landesvorstand der GRÜNEN JUGEND Niedersachsen

In Deutschland wird ein Menschenrecht verletzt und kaum jemand wehrt sich. Der UNO-Sonderberichterstatter für das Recht auf Bildung bescheinigt unserem Bildungssystem eine „ausgrenzende Wirkung“. Opfer sind „SchülerInnen aus armen Verhältnissen sowie SchülerInnen mit Migrationshintergrund oder Behinderungen“. Benachteiligung ist immer ein inakzeptabler Zustand. Wenn sie die Schwächeren und neu Angekommenen trifft, ist sie schier unerträglich. Es ist Zeit, endlich die Konsequenzen zu ziehen!

Bildung für alle und jedeN

Im jetzigen Bildungssystem sind die Kinder der VerliererInnen von gestern fast zwangsläufig die VerliererInnen von heute. Gerechtigkeit im Bildungssystem heißt: Die Bildungschancen von Kindern dürfen nicht vom Status ihrer Eltern abhängen! Frühe Auslese und systematische Ausgrenzung in Kindergarten und Schule sowie mangelnde Finanzierung machen das niedersächsische Bildungssystem ungerecht.

Beschluss der Landesmitgliederversammlung der GJN in Hildesheim zum Thema Studiengebühren

Aus Studiengebühren Geschichte machen: Chancengerechtigkeit statt Zugangsbarrieren

Die niedersächsische CDU/FDP-Landesregierung hat mit der Einführung allgemeiner Studiengebühren eine weitere Hürde zur Aufnahme eines Hochschulstudiums aufgebaut. Die Abhängigkeit von Bildungschancen und sozialer Herkunft wurde hiermit weiter verschärft. Schon jetzt sind in unserem Bildungssystem durch ein selektives und sozial unausgewogenes Kinderbetreuungs- und Schulsystem große Kreise von Beginn an benachteiligt, Studiengebühren führen zu einer weiteren Verschärfung dieser Situation.

Positionspapier der Grünen Jugend Niedersachsen zur Zukunft der Bildungspolitik – Beschlossen auf der Landesmitgliederversammlung am 23.11.03

Alle Menschen dieser Welt haben ein Recht auf Bildung – unabhängig von Geschlecht, Religion und Herkunft. Die Chancen auf Bildung bestimmen unsere Chancen auf ein selbstbestimmtes Leben, auf Arbeit und auf eine aktive Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Wir leben heute in einer Gesellschaft, in der Bildung und Wissen zum maßgeblichen Faktor der Entwicklung geworden sind. Bildung muss SchülerInnen Wege zu einem selbstbestimmten Leben aufzeigen und ihnen helfen, ihre Potentiale frei zu entfalten. Die ökonomische Verwertbarkeit der SchülerInnen auf dem Arbeitsmarkt lehnen wir dagegen als Bildungskriterium entschieden ab. Chancengleichheit und Zugangsgerechtigkeit sind Voraussetzungen für eine erfolgreiche Bildung.

Für mehr Gerechtigkeit zwischen den Generationen müssen jetzt mehr Investitionen in Bildung erfolgen. Denn mittel- und langfristig sind diese Investitionen auch Voraussetzung für eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung und damit für den Abbau der Staatsverschuldung und den Erhalt solidarisch sozialer Sicherungssysteme. Hingegen wirken die aktuellen Kürzungsorgien der schwarz-gelben Landesregierung im Bildungssystem, unter dem Vorwand der kurzfristigen Haushaltssanierung, langfristig kontraproduktiv. Die GRÜNE JUGEND Niedersachsen (GJN) fordert daher ein nachhaltiges Umdenken in der Haushaltspolitik, hin zu verstärkten Bildungs- und Forschungsinvestitionen.

Gute Bildung kostet Geld, doch schlechte Bildung kostet uns unsere Zukunft!

Vorschläge der GJN zur Entwicklung der Schulen

Die GRÜNE JUGEND NIEDERSACHSEN (GJN) verfolgt die öffentliche Diskussion über die Ergebnisse der internationalen PISA-Studie mit großem Interesse, aber auch mit etwas Besorgnis: Wie so oft, wenn es um Schul- und Bildungspolitik geht, kommen die eigentlich Betroffenen der Bildungsmisere, die Schülerinnen und Schüler, kaum zu Wort. Statt dessen überschlagen sich die niedersächsischen „Bildungsexperten“ mit billigem Aktionismus. Besonders kritisieren wir den ehemaligen Lehrer und Ministerpräsident Sigmar Gabriel, der sich durch die PISA-Studie in seinen Vorschlägen bestätigt fühlt, obwohl PISA das genaue Gegenteil von dem verlangt, was Gabriel zu tun beabsichtigt.

Die Pisa-Studie zeigt die eklatante Schieflage des deutschen Bildungssystems: Die Leistungen der deutschen Schülerinnen und Schüler liegen in allen getesteten Bereichen (Wissenstransfer, Lesekompetenz, mathematische und naturwissenschaftliche Grundbildung) deutlich unter dem Durchschnitt der anderen Teilnehmerländern. Unser Schulsystem überwindet soziale Schranken nicht, sondern verstärkt sie sogar. Immer noch werden die Bildungschancen stark von der sozialen Herkunft bestimmt.

In kaum einem anderen Einwanderungsland gelingt es so wenig, Mädchen und Jungen mit Migrationshintergrund den schulischen Weg zu einer echten gesellschaftlichen Teilhabe zu eröffnen. Vielmehr verstärken unzureichende Integrationsangebote bestehende soziale Benachteiligung. Im Vergleich der leistungsstärkeren Schülerinnen und Schüler liegt Deutschland nur im unteren Mittelfeld, wohingegen der Anteil der leistungsschwächeren Schülerinnen und Schüler ungewöhnlich groß ist.

Hierzulande werden Defizite von Schülerinnen und Schülern nur in geringem Maße erkannt, Fördermaßnahmen zu spät eingeleitet. Die diagnostischen Fähigkeiten der Lehrerinnen und Lehrer sind nicht ausreichend ausgebildet. Deutschland hat die meisten Schülerinnen und Schüler, die angeben, sie würden nicht zum Vergnügen lesen. Der deutschen Schule gelingt es nicht, Spaß am Lesen und Lernen zu wecken.

Es ist erschreckend, dass es bei rund einem Viertel der Kinder nicht gelingt, sie mit den Fähigkeiten auszustatten, die sie für ein gleichberechtigtes Leben in unserer Gesellschaft brauchen. Dabei gehören gerade die Kinder aus einkommensschwachen Familien und hier lebender Migrant*innen zu den Verlierern, da es kaum ein Land so schlecht wie Deutschland schafft, allen Bevölkerungsgruppen einen gleichberechtigten Zugang zu Bildung zu ermöglichen. Als „Antwort“ auf Pisa überschlugen sich die PolitikerInnen mit unüberlegten Schnellschüssen. Ein besonders grauenerregendes Beispiel ist jedoch die Schulpolitik der niedersächsischen SPD. Ihre Schulstrukturreform, die schon vor Pisa vorbereitet worden war, soll noch in diesem Jahr unter dumm-dreister Missachtung der Pisa-Ergebnisse durchgepeitscht werden – obwohl sich ALLE Interessenverbände, von der GEW über die Wirtschaft bis zum LSR dagegen ausgesprochen haben. Wieder einmal sollen nur die Strukturen von Schule verändert werden anstatt endlich einmal die Inhalte in den Mittelpunkt zu stellen.