Die Grüne Jugend Niedersachsen fordert das Land Niedersachsen dazu auf, mit wirksamen Sofortmaßnahmen dafür zu sorgen, dass wohnungslose Menschen effektiv und schnell vor dem anstehenden Winter geschützt werden. Die Landesregierung muss zu diesem Zweck die Kommunen kurzfristig finanziell stärker unterstützen. Langfristig müssen Konzepte wie “Housing First” flächendeckend umgesetzt werden.

 

Dazu Pia Scholten, Sprecherin der GRÜNEN JUGEND Niedersachsen:
“Bereits im letzten Winter sind 22 Menschen auf Deutschlands Straßen erfroren. 
Die Gründe für Wohnungslosigkeit sind vielfältig. 
Wohnen ist ein Menschenrecht und nichts, was sich Menschen leisten können müssen. Auch im unmittelbar bevorstehenden Winter sind tausende Menschen in Niedersachsen der Kälte schutzlos ausgeliefert. Wir fordern die Landesregierung dazu auf, die Kommunen mit dieser Herausforderung nicht alleine zu lassen, sondern jetzt finanziell zu unterstützen. Kurzfristig muss der Anspruch sein, dass kein Mensch auf der Straße erfriert. Es ist ein geradezu absurder Gedanke, dass diese Forderung in einem der reichsten Länder der Welt jeden Winter wieder gestellt werden muss.”

Dazu Pia Scholten weiter:
“Langfristig muss der Anspruch sein, dass niemand mehr auf der Straße leben muss. Das funktioniert aber nicht, indem wohnungslose Menschen ihre Wohnfähigkeit beweisen müssen. Menschen brauchen eine langfristige Perspektive und Sicherheit. Da greifen Housing-First Konzepte, bei denen Menschen zuallererst eine Wohnung bekommen. Eine Wohnung ermöglicht ihnen, dass sie wieder am sozialen Leben teilhaben können, in Sicherheit leben und einen Neuanfang wagen können. Solche Initiativen muss die Große Koalition endlich flächendeckend unterstützen.
Stattdessen fordert die CDU Hannover, dass Wohnungen in Hannover, die für wohnungslose Menschen vorgesehen sind, zu regulären Wohnungen umgewandelt werden und somit wohnungslosen Menschen nicht mehr zur Verfügung stehen. Wer zurecht moniert, dass es zu wenig bezahlbaren Wohnraum gibt, sollte nicht prekäre Gruppen gegeneinander ausspielen, sondern dafür sorgen, dass die Sozialbindung von Wohnungen unbefristet bestehen bleibt und es insgesamt mehr bezahlbaren Wohnraum gibt. Wir fordern deshalb die Landesregierung auf, mittels einer Landeswohnungsbaugesellschaft 120.000 Wohnungen zu schaffen, deren Sozialbindung unbefristet ist.”

Hintergrund:
In Deutschland leben 678.000 wohnungslose Menschen. Im Jahr 2017 standen laut Schätzung des Bundesinstituts für Bau, Stadt- und Raumforschung (BBSR) insgesamt 2,1 Millionen Wohnungen leer. In Niedersachsen werden 9000 „ordnungsrechtliche Unterbringungen“ bereitgestellt. Folglich kann Niedersachsen lediglich eine Unterbringung für 1,5% der wohnungslosen Menschen in Deutschland gewährleisten. Dem Bevölkerungsanteil Niedersachsens nach leben allerdings circa 10% der wohnungslosen Menschen Deutschlands in Niedersachsen.