Pressemitteilung, Dienstag, den 23. Juni 2020

 

In Göttingen ist seit Donnerstag ein Wohnkomplex unter Quarantäne, da 120 der rund 700 Bewohner*innen positiv auf das Coronavirus getestet wurden. Dabei kam es zu schweren Ausschreitungen.

Svenja Appuhn, Sprecherin der GRÜNEN JUGEND Niedersachsen, erklärt dazu: „Diese Situation zeigt einmal mehr, dass die derzeit herrschende Corona-Pandemie gerade die schwächsten Mitglieder unserer Gesellschaft am härtesten trifft. In dem beengten und deutlich überbelegten Wohnkomplex leben teilweise Familien mit vier Kindern in 19 bis 39 Quadratmeter großen Wohnungen. Die zugrunde liegende Wohnraumproblematik ist ein lange bekanntes, aber leider vernachlässigtes Problem. Es braucht dringend mehr sozialen und bezahlbaren Wohnraum in allen Städten. Ein Wohnraumschutzgesetz, das Kommunen die Handhabe gibt, gewisse Mindestanforderungen an Wohnraum zu prüfen und durchzusetzen, wie etwa eine Wohnfläche von mindestens 10 Quadratmeter pro Person, hätte längst im Landtag beschlossen werden müssen.“

Tomke Appeldorn, ebenfalls Sprecherin der GRÜNEN JUGEND Niedersachsen, ergänzt: „Die Vorfälle in Göttingen zeigen außerdem: Die Kommunen sollten eine Handhabe darüber erlangen, den Infektionsschutz bei Wohnraum durchzusetzen, um den Druck auf die Eigentümer*innen zu erhöhen. Wohnraum ist ein Grundbedürfnis aller Menschen und darf nicht Gegenstand von kapitalistischen Finanzspekulationen am Immobilienmarkt sein! Wir als GRÜNE JUGEND Niedersachsen stehen dafür auch Mitteln wie Vergesellschaftung und Enteignung positiv gegenüber, um das Grundrecht auf angemessenen Wohnraum und einen Interessenausgleich in unserer Gesellschaft gewährleisten zu können.“