Die GRÜNE JUGEND Niedersachsen fordert die Einführung des Wassercents als Ausgleichszahlung für einen hohen Wasserverbrauch an die betroffenen Staaten sowie das Ende der Privatisierung von Wasserquellen. Des Weiteren fordert die GRÜNE JUGEND Niedersachsen, dass die Förderung von Wasser unter Betrachtung der Belastung der Biotope geschieht und die Erhöhung des Anteils der weltweiten Aufbereitung des Abwassers.

Beschluss

Wasser ist die wohl wichtigste Ressource. Bereits 2015 warnte das
Wirtschaftsforum in Genf davor, dass Wasserknappheit die größte Humanitäre Krise
des Jahrzehnts werden könne. Heute haben 2,2 Milliarden Menschen keinen
ausreichenden Zugang zu sauberem Trinkwasser [5]. Die Wasserkrise ist
gegenwärtig schon die Migrationsursache Nummer eins. Und es ist keine Besserung
in Sicht, da diese durch die Klimakrise weiter verschärft werden wird. 71% der
Erde wird von Wasser bedeckt. Davon sind 97% Salzwasser und 3% Süßwasser. Davon
liegen wiederum 2,1 % in Eis und Schnee vor. Doch diese Wasserreserven sind
durch die Klimakrise bedroht. Besonders bedroht ist das Schmelzwasser, was ein
Drittel der Weltbevölkerung als Trinkwasser dient [6]. Expert*innen halten eine Wasserkrise für vermeidbar. Das Süßwasser reiche für über 9 Milliarden Menschen. Es handele um ein Verteilungsproblem.

Der tägliche Wasserverbrauch pro Person liegt in Deutschland liegt bei 121 Liter. Doch dieser bildet nicht unseren realen (virtuellen) Wasserverbrauch ab [7]. Bei dem virtuellen Wasserverbrauch handelt sich um das Wasser, welches zur Herstellung von Produkten benötigt wird. So werden beispielsweise für die Herstellung von einem Kilogramm Avocados 1000 Liter Wasser [14-16] oder eines T-Shirts 2000 Liter Wasser benötigt [8].
Durch Handel entziehen wir anderen Regionen Wasser, indem wir anderthalb Mal so
viel virtuelles Wasser importieren, wie wir exportieren. Dadurch sorgen wir für
eine Verschärfung der Situation. Heute leiden bereits 1,8 bis 2,9 Milliarden
Menschen 4 bis 6 Monate im Jahr und ca. 500 Millionen Menschen ganzjährig unter
Wasserknappheit [9]. Des Weiteren hat jede zweite Großstadt weltweit mit
Versorgungsengpässen durch den hohen Wasserbedarf der Ballungsräume zu kämpfen
[Quelle WHO]. Die Situation wird verschlimmert, indem 80% des vom Menschen
verwendeten Wassers ungeklärt, also verunreinigt, in die Natur zurückgegeben
wird, aus welcher das Wasser, häufig ungereinigt, später wieder entnommen wird
[10]. Dies hat die Folge, dass Infektionskrankheiten die häufigste Todesursache
in ärmeren Ländern sind. Seit 2010 gilt das UN-Menschenrechtsabkommen „Recht auf Zugang zu sauberem Wasser“. Um dies zu ermöglichen sind jährlich 10 Milliarden US-Dollar Investition von Nöten [11]. In Deutschland gibt es einen gesamten Wasserverbrauch von 117 Milliarden Kubikmetern Wasser pro Jahr [12]. Mehr als die Hälfte dieses virtuellen
Wasserverbrauchs fällt nicht in Deutschland an [13]. Dadurch importieren wir
rund 34,2 Milliarden Kubikmeter Wasser im Jahr auf Kosten anderer. Deshalb sieht
die GRÜNE JUGEND Niedersachsen die weltweit drittgrößte Importnation in der
Pflicht, sich für einen internationalen virtuellen Wasserhandel ein- und
auseinanderzusetzen, da eine symptomatische Bekämpfung kurzweilig, aber nicht
längerfristig von Erfolg gekrönt ist.

Diese Wasserkrise wird von Großkonzernen in stark betroffenen Gebieten
ausgenutzt und dort als die Lösung des Wasserproblems angepriesen. Leider hat
das in den betroffenen Ländern, besonders in Ländern des globalen Südens, die
Folge, dass es zur Spaltung der Gesellschaft kommt. So kann sich auf der einen
Seite nur ein Teil der Gesellschaft dieses saubere Wasser leisten. Der andere
Teil der Gesellschaft hat nur die Möglichkeit, unkontrollierte Wasserquellen zu
verwenden. Des Weiteren führt die exzessive Förderung des Wassers durch die
Großkonzerne zu einer Verringerung der Wasserkapazität der natürlichen
Wasserreserven und schafft nebenbei durch die Plastikverpackung noch ein
Müllproblem. Durch die Wasserflaschenindustrie wird Wasser bewusst zu einem
Luxus und die öffentliche Versorgung mit sauberem, kontrolliertem Trinkwasser
wird in vielen Ländern nicht mehr verfolgt. Wasser ist ein Menschenrecht und
sollte jedem zur Verfügung stehen. Um dies in Zukunft gewährleisten zu können,
ist eine radikale Weichenstellung nötig.

Die GRÜNE JUGEND Niedersachsen fordert deshalb

  1. die Einführung des Wassercents für den deutschen Handel. Dieser soll einen
    Ausgleich schaffen, um in den stark betroffen Regionen die Wasserreinigung
    und -versorgung zu fördern. Die Höhe soll bei einem Cent je virtuellem
    Kubikmeter verbrauchtem Wasser liegen.
  1. die Anerkennung von Wasser als Allgemeingut und damit verbunden das
    Stoppen der privaten Wasserindustrie. Mit Allgemeingütern darf kein Profit
    gemacht werden!
  1. einen Fördervorbehalt. Die Wasserförderung darf nur unter Betrachtung der
    Belastung der Biotope geschehen.
  1. die Erhöhung des Anteils der weltweiten Aufbereitung des Abwassers.

Quellen:

[1] https://waterfootprint.org/media/downloads/Mekonnen-Hoekstra-2011-
WaterFootprintCrops.pdf

[2] Mesfin M. Mekonnen, Arjen Y. Hoekstra: Four billion people facing severe
water scarcity. In: Science. 2016

[3] https://www.focus.de/finanzen/news/marketing-und-ausbeute-das-dreckige-
geschaeft-mit-dem-wasser-wie-viel-ist-uns-wasser-wert_id_6820659.html

[4] https://gletscherg2h.wordpress.com/gletscheralswasserversorgung/

[5] https://www.unicef.de/informieren/aktuelles/blog/weltwasserwoche-2019-zehn-
fakten-ueber-wasser/172968

[6] http://wateratschool.org/suesswasservorkommen/

[7] https://www.umweltbundesamt.de/themen/verstecktes-wasser

[8] https://waterfootprint.org/en/resources/interactive-tools/product-gallery/

[9] Mesfin M. Mekonnen, Arjen Y. Hoekstra: Four billion people facing severe
water scarcity. In: Science. 2016

[10] WWAP (United Nations World Water Assessment Programme) (2017). The United
Nations World Water Development Report 2017. Wastewater: The Untapped Resource

[11] https://www.webcitation.org/5zmil4AQn

[12] https://www.umweltbundesamt.de/themen/wasser/wasser-
bewirtschaften/wasserfussabdruck#textpart-2

[13] http://edoc.vifapol.de/opus/volltexte/2013/4365/pdf/Studies_22.pdf

[14] https://www.geo.de/natur/nachhaltigkeit/16027-rtkl-extrem-hoher-wasserverbrauch-daenische-supermaerkte-listen

[15] https://www.zeit.de/2016/43/avocado-superfood-anbau-oekologie-trend/seite-3

[16] https://www.zentrum-der-gesundheit.de/avocado-superfood-oder-oekokatastrophe-810902.html