Jede*r, die oder der sich mal ein bisschen mit Politik beschäftigt hat, stößt auch schnell mal auf das Thema Lobbyismus. Dieser beeinflusst politische Entscheidungsprozesse in vielen Situationen, sowohl im Guten, als auch im Schlechten. Die Ärztinnen und Ärzte haben sich mit der Ärztekammer eine eigene Lobby geschaffen. Die Ärztekammer setzt sich deswegen in vielen politischen Runden für die Bedürfnisse der Ärztinnen und Ärzte ein.

Wir als Grüne Jugend Niedersachsen sind der Meinung, dass die Pflegekräfte in unserem Land auch schon lange eine eigene Lobbyist*in verdient haben. Die Arbeit von Pflegekräften ist bundesweit von enormen Zeitdruck, schlechter Bezahlung und krankmachenden Arbeitsbedingungen geprägt, worunter sowohl die Pflegekräfte
selbst, als auch die zu pflegenden Patient*innen leiden. Eine eigene Lobbyist*in für Pflegekräfte ist somit überfällig, um den Druck auf die Politik zu erhöhen. Wir brauchen in Niedersachsen bei dem akutem Fachkräftemängel dringend mehr Pflegekräfte. Wir als Grüne Jugend Niedersachsen sind der Meinung, dass der Beruf nur attraktiver werden kann, wenn wir die Pflegekräfte mit an den Tisch holen!

Die Pflegekammer soll natürlich unserem Verständnis nach eine demokratische Legitimation haben und in der öffentlichen Wahrnehmung Stellung beziehen können. Das setzt jedoch voraus, dass sich die gesamte Berufsgruppe hinter der Kammer versammelt. Denn nur so kann die Kammer Gehör bekommen. Deswegen ist eine
Pflichtmitgliedschaft nicht zu umgehen. Nur mit genügend Mitgliedern kann den Interessen und Forderungen der nötige Nachdruck verliehen werden und können dann auch aussagekräftige Erfolge verzeichnet werden. Die Pflegekammer ist mit 60.000 Mitgliedern die größte Kammer im Niedersächsischen Gesundheitswesen.

Die Pflegekammer in Niedersachsen hatte einen unglücklichen Start, der zurecht kritisiert wurde. Dennoch möchten wir uns für ihren Erhalt und die Fortsetzung ihrer Arbeit stark machen!

Als Grüne Jugend Niedersachsen fordern wir, dass die niedersächsische Regierung die bisherigen Fehler schnellstmöglich beseitigt. Das bedeutet in erster Linie auch die Mitgliedsbeiträge für 2 Jahre zu übernehmen. Die Kammer braucht nach diesem starken Gegenwind Zeit, um sich mit der Arbeit bei den Mitgliedern beweisen zu können. Sie muss jetzt die Pflegekräfte überzeugen, sich nicht mehr zu wehren, sondern die Vorteile und Chancen zu sehen. Dafür ist die Aussetzung der Mitgliedsbeiträge genau das richtige Mittel! Pflegekräfte bekommen in vielen Einrichtungen immer noch deutlich zu wenig Geld für ihre Arbeit, und auch an vielen weiteren Ecken können die Bedingungen für den Pflegeberuf optimiert werden. Dieses Ziel soll im niedersächsischen Landtag von Bündnis 90/Die Grünen aktiv unterstützt werden.

Die Pflegekammer muss sich in den nächsten Jahren für die Bedürfnisse ihrer Mitglieder stark machen. Sie wird eine weitere Mitspielerin im richtigen Team, mit 60.000 Mitgliedern im Rücken. Es werden sich nicht nur Arbeitgeber*innen und Politiker*innen über Pflegekräfte unterhalten, sondern ab jetzt sitzen die Pflegekräfte mit am Tisch!