Zusammenfassung
Die GRÜNE JUGEND Niedersachsen positioniert sich für den Bau einer Gedenkstätte und eines Lernortes am ehemaligen ”Reichserntedankfest”-Gelände am Bückeberg im Landkreis Hameln-Pyrmont. Die GJN lehnt es ab, einen Schlussstrich unter die Geschichte zu ziehen. Im Antrag wird auch kurz auf die Geschichte und historische Bedeutung des Ortes eingegangen.

Beschluss

Die GRÜNE JUGEND Niedersachsen unterstützt die Initiative des Vereins für regionale Kultur- und Zeitgeschichte Hameln e.V. und des Landrats von Hameln-Pyrmont, Tjark Bartels, das unter Denkmalschutz stehende Gelände am Bückeberg, auf dem die nationalsozialistischen „Reichserntedankfeste“ stattgefunden haben,
als Bildungs- und Dokumentationsstätte zu gestalten und eine dauerhafte wissenschaftliche Begleitung vor Ort sicherzustellen.
Zwischen 1933 und 1937 fanden am ersten Sonntag im Oktober auf dem Bückeberg die sogenannten Reichserntedankfeste statt, die sich auf der Blut-und-Boden-Ideologie der Nationalsozialisten gründeten und die Bedeutung der ”deutschen Bauernschaft” hervorhoben. Im Vorfeld fanden in der zur ”Reichsbauernstadt” erhobenen Stadt Goslar die Reichsbauerntage statt. Die im ländlichen Raum verankerte christliche Tradition des Erntedankfestes erfuhr durch das ”Reichserntedankfest” eine Instrumentalisierung durch das NS-Regime. Der Nationalsozialismus verstand das Erntedankfest als ein Fest, das seinen Ursprung und seine Sinngebung in der Verehrung des germanischen Gottes Wotan hatte.
Gleichzeitig band es die ländliche Bevölkerung ideologisch und emotional an das NS-Regime. Die politische und ideologische Bedeutung wird auch dadurch deutlich, dass nicht nur der Reichspropagandaminister Joseph Goebbels regelmäßig teilnahm,
sondern auch Adolf Hitler von Berlin auf den Bückeberg kam.

Über die Jahre kam es zu Vorfällen, an denen am 20. April (Hitlers Geburtstag) Blumen niedergelegt wurden. So war die Gemeinde Emmerthal zuerst skeptisch, das Gebiet als Denkmal auszuweisen. Diese Haltung änderte sich, sodass das Gelände seit 2011 im Denkmalverzeichnis aufgeführt ist. Es ist einer der wenigen noch erhaltenen Orte (neben beispielsweise dem Reichsparteitagsgelände in Nürnberg), wo die Nationalsozialisten um Zustimmung in der Bevölkerung warben und die Volksgemeinschaft manipulativ inszenierten. Historisch kommt dem Bückeberg für die bundesweite Erinnerungskultur eine große Bedeutung zu.

Die GRÜNE JUGEND Niedersachsen ist der Auffassung, dass die Verbrechen des Nationalsozialismus ohne eine Beschäftigung mit der Gesellschaft und Ideologie des Nationalsozialismus nicht verstanden werden können. Die Geschichte der Shoah und der Konzentrationslager und der Bückeberg als Propagandaort gehören zusammen und sind Teil des selben Systems, nämlich der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. Wer über die Verbrechen spricht, darf nicht über die Täter und die Mitmachbereitschaft in der deutschen Bevölkerung schweigen.
Die GRÜNE JUGEND Niedersachsen begrüßt es, dass hier insbesondere die NS-Propaganda und die Verführbarkeit von Menschen vermittelt und in der erhaltenen Topographie des Geländes sensibel erfahrbar und besser zugänglich gemacht werden sollen. Als Ort der nationalsozialistischen Selbstinszenierung muss der Bückeberg ein finanziell und personell ausreichend ausgestatter Lernort politischer Bildung werden, an der pädagogische Arbeit und die Vermittlung von Demokratie sowie der Gefahren des Faschismus möglich sind. Eine aktive Auseinandersetzung mit der Geschichte und der NS-Ideologie ist eine zwingende Notwendigkeit für eine demokratische Gesellschaft, antifaschistisches Engagement und unserer Verantwortung für die Zukunft. Die GRÜNE JUGEND Niedersachen lehnt jegliche Bestrebungen, einen Schlussstrich unter die Geschichte zu ziehen, ab. Wir danken den Initiator*innen und Unterstützer*innen für ihren langjährigen, unbeirrten Einsatz für dieses Projekt, dem aktuell in der konkreten Planungsphase aus Teilen der Bevölkerung und Politik vor Ort leider erheblicher Widerstand entgegengebracht wird.