Niedersachsen ist nicht nur das zweitgrößte Flächenland Deutschland, sondern hier gibt es auch zahlreiche Fernwander- und Fahrradwege, auf denen insbesondere im Sommer viele Reisende unterwegs sind. Zwar gibt es entlang einiger Routen (z.B. des Weser-Radwegs) hin und wieder offizielle Campingplätze, doch viele können oder wollen diese Infrastruktur nicht nutzen, u.a.:

 

• Menschen mit geringen/keinem Einkommen: Die Übernachtungskosten liegen oft bereits im zweistelligen Bereich pro Nacht und Person

 

• Menschen, die außerhalb gängiger, mit Campingplätzen ausgestatteter Routen reisen

 

• Menschen, insbesondere Familien mit kleinen Kindern und älteren Leuten, die oft die Strecke zwischen zwei Campingplätzen nicht an einem Tag zurücklegen können

 

• Menschen, die außerhalb ihres normalen Lebensumfeldes/in der Natur Urlaub machen wollen

 

• Menschen, die gerne ungestört von Mitcamper*innen nächtigen wollen

 

U.a. für diese Gruppen bieten Camping-Plätze sowie Jugendherbergen und andere Übernachtungsmöglichkeiten keine zufriedenstellende Lösung. Wildcampen bietet dazu eine gute Alternative. Unter Wildcampen wird das Übernachten auf öffentlich zugänglichen Flächen wie zum Beispiel Wälder oder Wiesen ohne Entgelt oder Anmeldung verstanden. Zum Schutz bedrohter Habitate, Arten, Natur- und Kulturlandschaften sollten Naturschutzgebiete, Nationalparks, Naturparks und andere spezielle gekennzeichnete Landschaftsschutzgebiete und Schutzwälder von einer Wildcampinglegalisierung ausgeschlossen werden. Darüber hinaus ist auch das Übernachten auf umzäunten Flächen und in Sichtweite von Wohnhäusern ausgenommen.

Die Legalisierung hätte darüber hinaus verschiedene Vorteile. Wahrscheinlich würden mehr Menschen in der Natur vor ihrer Haustür Urlaub machen, sei es zu Fuß oder mit dem Fahrrad. Dadurch würden nicht nur die Nutzer*innen des Wildcampings profitieren, sondern auch die Umwelt. Das Übernachten in der freien Natur, ob mit oder ohne Zelt, konfrontiert mit der Umwelt und ermöglicht über diese Auseinandersetzung auch ein stärkeres Umweltbewusstsein.

Aber nicht nur Urlauber*innen, sondern auch Menschen ohne eigene Wohnung oder Menschen, die gerne viel Zeit in der Natur verbringen, würden von den Vorteilen des Wildcampings profitieren.

Mit dem Beschluss soll explizit nur das Wildcampen legalisiert werden. Zum Schutz der Umwelt und Natur bleiben Feuer-machen, Müll hinterlassen, etc. natürlich weiterhin verboten.

Probleme, die allerdings anders als oft dargestellt nicht zwingend mit Campen zusammenhängen und leider auch oft genug in anderen Kontexten auftreten.

In anderen Staaten ist das Wildcampen legal und gängige Praxis (u.a. Norwegen, Schweden, Schweiz, etc.). Oft wird diese Möglichkeit an Wander- und Radwegen noch durch die Aufstellung von offenen Schutzhütten ergänzt, in denen ebenfalls übernachtet werden kann.

Die GRÜNE JUGEND Niedersachsen fordert deswegen eine Legalisierung von Wildcamping, das heißt dem Campen in Bereichen außerhalb abgegrenzter privater Grundstücke oder besonders geschützter Gebiete. Außerdem fordern wir die verstärkte Einrichtung von einfachen Schutzhütten mit Übernachtungsmöglichkeit in den Schwerpunkgebieten für Outdoorreisende.