Für Smartphones und Computer, für den täglichen Trip mit der Straßenbahn, für das Licht, mit dem wir abends Bücher lesen, für das Erstellen und den Druck des Magazins, das Du in Deinen Händen hältst – ja, für unseren gesamten Lebensstil in Wohlstand brauchen wir Strom. Viel Strom. Der Strombedarf hat sich in den letzten 50 Jahren mehr als vervierfacht. Und weil Energie so ein elementarer Faktor in jedem unserer Leben ist, müssen wir natürlich auch fragen: Wo kommt das Zeug eigentlich her? Wie wird Energie gewonnen und welche Folgen hat das? Was können wir, was kann die Politik tun, um die negativen Konsequenzen so klein wie möglich zu halten?

Der größte Anteil deutschen Strombedarfs wird konventionell gedeckt: Von fossilen Energieträgern wie Erdgas sowie Braun- und Steinkohle, aber auch Atomkraft. Diese Energiequellen haben diverse Nachteile. Fossile Kraftwerke haben einen enormen CO2-Ausstoß. Warum ist das schlimm?
Die globale Durchschnittstemperatur hat im letzten Jahrhundert um 0,74 Grad Celsius zugenommen. Im 2014 veröffentlichten Sachstandsbericht des von den UN eingesetzten Expertengremiums IPCC wird das Ausmaß des Klimawandels als „beispiellos“ bezeichnet. Eiskernbohrungen ergeben, dass die Konzentration von Treibhausgasen in der Atmosphäre so hoch ist wie seit 800.000 Jahren nicht mehr. Dass der Wandel des Klimas anthropogen, also menschengemacht ist, gilt als sicher. Das IPCC warnt vor dem „Tipping Point“, einem globalen Umschlagpunkt, bei dem das klimatische Gleichgewicht irreversibel zerstört ist und selbst bei größten internationalen Anstrengungen die negativen Konsequenzen nicht mehr verhinderbar sind. Trotz vereinzelter Gegenredner*innen à la Trump lassen sich diese Ergebnisse als wissenschaftlicher Konsens bezeichnen. Klar ist also, dass etwa 130 deutsche Kohlekraftwerke eines nicht haben können: Keine Auswirkungen.

Und so kommt es, dass schon seit einiger Zeit das Eisschmelzen an den Polen beobachtet werden kann. Wird diese Entwicklung nicht gestoppt, werden riesige Landmassen vom Meer verschlungen. Auch die Wüstenbildung im globalen Süden wird weiter vorangehen. Wirtschaftlich nutzbare Flächen gehen verloren. Menschen verlieren ihre Heimat und Lebensgrundlage, bis zu 200 Millionen Klimaflüchtlinge werden bis 2040 erwartet. Kleinere Inselstaaten pachten bereits Ländereien auf dem Festland. Und in Deutschland sind weitere Kohlekraftwerke in Planung.

Viele Menschen sagen nun: „Hey, also fossile Energieträger sind ja richtig doof! Aber Atomkraft – das ist ja viel sauberer, weil weniger Emissionen und so.“
Es wäre so schön, wenn man diese Argumentation einfach so stehen lassen könnte. Das Problem ist: Atomkraft ist ein Risiko für sich. Tschernobyl und Fukushima sind zwei Beispiele „größter anzunehmen- der Unfälle“ – GAUs. In Frankreich beobachten wir gerade eine Serie von AKW-Pannen. In Belgien steht ein Atomkraftwerk, das im wörtlichen Sinne auseinanderzufallen droht, direkt an der deutschen Grenze. Und die Technik der noch laufenden deutschen Atomkraftwerke ist 30 Jahre alt. Damals gab’s nicht mal richtiges Internet. Und dann ist da noch der Fakt, dass bis jetzt noch kein Atommüllendlager gefunden ist. Die Forderung, die klimatischen Kosten der Fossilen mit dem Risiko der Nuklearen auszutauschen, ist ergo ein Trugschluss.

Das eigentlich Absurde ist: Konventionelle Energien werden massiv vom Staat subventioniert. Nur das macht sie so günstig. Würden die Gelder, die gerade in die Taschen der großen Vier, also den riesigen Energiekonzernen E.ON, RWE, EnBW und Vattenfall fließen, stattdessen dazu genutzt, eine nachhaltige, dezentrale Energieversorgung zu finanzieren, käme das nicht nur dem Klima zugute. Der große Vorteil an Wind- und Solarkraftanlagen ist, dass sich Bürger*innen in Genossenschaften an ihnen beteiligen können und damit am Profit partizipieren. Daher auch der Begriff „Bürger*innenenergiewende“. Sie kann damit einen Beitrag zur Umverteilung leisten.
Zur Energiewende gehört auch die Abwendung vom Verbrennungsmotor. Nachhaltige Mobilität ist nicht nur für das Klima, sondern auch für die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Autounternehmen unabdingbar.

Für die GRÜNE JUGEND ist deshalb ganz klar: Die Abkehr von den konventionellen Energien muss kommen. Unsere Beschlüsse sprechen eine klare Sprache: Wir wollen eine umfassende Nachhaltigkeitsstrategie für jede Kommune sowie eine Kommunalisierung der Energieversorgung durch geförderte Bildung von Energiegenossenschaften. Wir fordern den Kohleausstieg und den Abzug von Kapital aus der fossilen Brennstoffindustrie. Wir solidarisieren uns mit Aktivist*innen. Wir fordern die Verstaatlichung von Stromnetzen, um einen fairen Wettbewerb auf dem Strommarkt zu gewährleisten. Und wir fordern eine verstärkte Förderung der Forschung an erneuerbaren Energien.

Der Scherz, den wir uns mit dem Cover erlaubt haben, soll eines verdeutlichen: Die Energiewende liegt auch in Deiner Hand! Denn die beste Energie ist die, die gar nicht erst verbraucht wird. Jede früher ausgeschaltete Glühbirne trägt – wenn auch noch so wenig – etwas zur Wende bei. Wir finden, das hat etwas ermutigend Emanzipatorisches. Setz dich also zum Lesen der interessanten Artikel dieser Ausgabe des klimaneutral gedruckten Igels am besten an ein Fenster! 🙂 Wir möchten Dich zu dieser Ausgabe vom Igel begrüßen und wünschen Dir viel Spaß beim Lesen!
Stachelige Grüße,

Die Igel-Redax (Katharina, Mariel, Svenja, Hendrik, Oskar, Gregor)

IGEL 70 zum Download