Die GRÜNE JUGEND Niedersachsen solidarisiert sich mit den Menschen in Rojava und begrüßt die Schaffung der demokratischen Selbstverwaltung. Der basisdemokratische, geschlechtergerechte und ökologische Ansatz macht das Projekt Rojava zu einem positiven Bezugspunkt für die GRÜNE JUGEND Niedersachsen. Deswegen setzt sich die GRÜNE JUGEND Niedersachsen dafür ein, dass der Austausch zwischen Menschen und Institutionen in Niedersachsen und Rojava gefördert und unterstützt wird. Dies kann beispielsweise in Form von Kooperationen zwischen Universitäten oder Städtepartnerschaften geschehen.

Seit 2012 entsteht in den überwiegend kurdischen Gebieten Nordsyriens in den Kantonen Efrîn, Kobanê und Cizîrê, zusammen auch als „Rojava“ bezeichnet, eine demokratische Selbstverwaltung. Diese Selbstverwaltung beruht auf dem Konzept des Demokratischen Konförderalismus und somit auf der Schaffung einer demokratischen, ökologischen und geschlechterbefreiten Gesellschaft. Dieses Konzept stellt einen friedenspolitischen Gegenentwurf zu den in der Region sonst vorhandenen patriarchalen und autoritären Herrschaftsstrukturen dar. Es ist ein empazipatorischer Versuch eines multiethischen und multireligösen Zusammenlebens abseits von nationalstaatlichen Strukturen. Die progressive kurdische Bewegung zeichnet sich durch ihr Streben nach der Gleichberechtigung von Frauen aus.

Wichtige Säulen der demokratischen Selbstverwaltung stellen die Rätestruktur, Bildung, die Frauenbewegung, die Gründung selbstverwalteter Produktionskollektive und die ökologische Umgestaltung der Gesellschaft dar.

Der Aufbau von basisdemokratisch organisierten, selbstverwalteten Kommunen steht im Mittelpunkt Rojavas um das langfristige Ziel, das friedliche, multiethnische Zusammenleben abseits nationalstaatlicher Strukturen zu erreichen. Auf allen Ebenen wurden Strukturen zur Selbstorganisation und Selbstverwaltung geschaffen. Die Versammlungen und Rätestrukturen in den Stadtteilen oder zivilgesellschaftlicher Organisierung der verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen setzen hierfür einen wichtigen Grundstein. Somit gestaltet die Bevölkerung über ethnische und religiöse Unterschiede hinweg gemeinsam das Zusammenleben und wirkt damit der Diskrimierung von einzelnen Gruppen entgegen. Eine wichtige Rolle bei der Umgestaltung der Gesellschaft spielen die Frauen, weshalb es bei allen Gremien eine vierzig Prozent Geschlechterquote gibt. Langfristig sollen so die patriarchalischen Strukturen überwunden werden. Zusätzlich sind die Rätestrukturen in verschiedenen Arbeitsbereichen in Form von Kommissionen organisiert, so existieren u. a. Wirtschafts-, Frauen-, Ökologie-, Glaubens-, Rechts-, Bildungs- und Jugendkommissionen und eine Kommission zur kurdischen Sprache. Parallel zu den gesellschaftlichen Strukturen gibt es eine autonome Organisierung der Frauen und der Jugend in allen relevanten Bereichen der Gesellschaft.

Die Demokratische Autonomie der Städte und Gemeinden Rojavas ist für viele Menschen im Nahen und Mittleren Osten zu einem Hoffnungsträger geworden. Sie beweist, dass ein friedliches Zusammenleben sowie eine gerechtere und demokratischere Gesellschaft möglich sind. Genau diese fortschrittlichen Inhalte ziehen den Hass des „Islamische Staat“ („IS“) auf sich. Angesichts des Terrors des „IS“ sind die Menschen von Rojava bereit, ihr Leben für die gemeinsame Verteidigung einzusetzen. Somit schützen die Selbstverteidigungskräfte Rojavas, die YPG und die Fraueneinheiten der YPJ, die demokratische Selbstverwaltung.

Eine weitere wichtige Säule der Umgestaltung der Gesellschaft stellt die ökologische Bewegung dar. Ziel ist es ein ökologisches Bewusstsein in der Gesellschaft zu schaffen, sowie die Mitbestimmung bei energiepolitischen und anderen ökologischen Fragen zu stärken. Die ökologischen und nachhaltigen Ideale sollen z. B. in landwirtschaftlichen Produktionsgenoss*innenschaften und Kollektiven umgesetzt werden, wobei auch die bedarfsorientierte Produktion eine zentrale Rolle spielt.

Um der Idee einer demokratischen, ökologischen und geschlechterbefreiten Gesellschaft näherzu kommen, spielt die Bildung in Rojava eine große Rolle, denn nur mit einer bewussten Auseinandersetzung mit sich selbst und seiner Umgebung ist der Übergang in eine freie Gesellschaft möglich, weshalb unabhängige Akademien zu verschiedenen Schwerpunkten u. a. Frauenakademien, Religionsakademien, Akademien zum alevitischen und muslimischen Glauben gegründet wurden. Hierbei spielen die von den Menschen ausgehende (Selbst-)Bildung eine große Rolle, welche nicht mit hiesiger Bildung in Schulen oder Universitäten vergleichbar ist. Besonders wichtig ist hierbei das Konzept der Kritik und Selbstkritik, wobei über solidarische Diskussionen und (Selbst-)Kritik, das persönliche Weiterkommen im Sinne des Demokratischen Konföderalismus mit all seinen Aspekten gefördert wird.

Bijî berxwedana Rojava!

Es lebe der Widerstand Rojavas!