Die GRÜNE JUGEND Niedersachsen nimmt mit großer Sorge zur Kenntnis, dass es während der aktuellen Masern-Welle allein in Berlin zu bisher über 850 gemeldeten Masern-Fällen gekommen ist und Eltern gewarnt werden mussten, dass ihre Säuglinge die Wohnung nicht verlassen sollten. Ein Kleinkind starb bereits an den Folgen. Diese Fälle hätten mit einer Impfung verhindert werden können. Das Ziel der Weltgesundheitsorganisation, die Masern bis zum Jahr 2015 auszurotten, konnte aufgrund zu geringer Impfquoten nicht erreicht werden.

Leider verweigern viele Eltern aus häufig pseudowissenschaftlicher/esoterischer Motivation und dem Glauben an Verschwörungstheorien heraus die Impfung ihrer Kinder. Dadurch behindern sie die Ausrottung vieler schwerer Infektionskrankheiten: Sie gefährden nicht nur die Gesundheit ihrer eigenen Kinder, sondern auch die von Säuglingen und von Menschen, die etwa aufgrund von Unverträglichkeiten nicht geimpft werden können. Um auch diese vor Krankheiten, wie etwa den Masern, zu schützen, ist eine sogenannte Herdenimmunität notwendig. Dies bedeutet, dass bei einer ausreichend hohen Impfquote ein Schutz für alle Menschen erreicht werden kann. Geimpfte Menschen schützen also nicht nur sich selbst vor Krankheiten, sondern auch andere Menschen.

Um Ängste und Befürchtungen in der Bevölkerung abzubauen, muss die Aufklärung über den wissenschaftlichen Stand der Nutzen und Risiken von Impfungen verstärkt werden. Allein durch Aufklärung wird allerdings keine hinreichend hohe Impfquote erreicht werden können, da viele Impfgegner*innen an längst widerlegte unwissenschaftliche Studien glauben, wie etwa, dass Impfungen Autismus verursachten, oder der falschen Überzeugung sind, dass Impfungen nicht notwendig seien und nur der Pharmaindustrie nützten. Besonders problematisch ist auch die Tatsache, dass an einzelnen Schulen überdurchschnittlich viele Kinder nicht geimpft werden: In einer Waldorfschule in NRW betrug die Impfquote etwa nur 25%, was zu einer Häufung von Masern-Erkrankungen geführt hat.

Die GRÜNE JUGEND Niedersachsen unterstützt daher die Forderung der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Berlin und des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ e. V.) nach Einführung einer Impfpflicht für Kinder vor dem Eintritt etwa in Kindertagesstätten, Kindergärten oder Schulen. Bei einer solchen Pflicht muss selbstverständlich Rücksicht auf medizinische Unverträglichkeiten genommen werden.

Eine Impfpflicht stellt natürlich einen Einschnitt in das Selbstbestimmungsrecht der Eltern dar. Da aber auf der anderen Seite eine Nicht-Impfung die Gesundheit sowohl der eigenen Kinder, als auch die Gesundheit derjenigen Personen, die nicht geimpft werden können, gefährdet, ist eine solche Maßnahme in der Abwägung gerechtfertigt.

Die GRÜNE JUGEND schlägt vor, dass die Ständige Impfkommission (STIKO), die heute unter Anderem Standardimpfungen empfiehlt, diejenigen Krankheiten erarbeiten soll, bei denen aufgrund einer zu geringen Impfquote eine Impfpflicht geboten ist. Um eine solche Maßnahme auch effektiv umzusetzen, könnten im Falle einer nicht-vollständigen Immunisierung des Kindes Geldstrafen erfolgen oder das Kindergeld und die Kinderfreibeträge gestrichen werden.

Ein Vorbild hierfür bietet die Pockenimpfung, die bis 1975 auch in Deutschland verbindlich war und dank derer die Pocken weltweit ausgerottet werden konnten. In vielen Ländern existiert heute eine Impfpflicht, was zu einem deutlichen Anstieg der Impfquoten geführt hat: In Australien konnte die Rate von 75% auf 94% erhöht werden, indem die Auszahlung staatlicher Leistungen von der Impfung der Kinder abhängig gemacht wurde.