Die GRÜNE JUGEND Niedersachen fordert einen eigenständigen Wirtschaftsunterricht an Schulen für:

  • Die Sensibilierung von Schüler*innen für konkurrierende volkswirtschaftliche Theorien;
  • Die Förderung von Kritikfähigkeit bei wirtschaftspolitischen Themen

Kaum ein Bereich ist so essentiell für menschliches Leben, aber findet im Bildungssystem so wenig Beachtung, wie die Wirtschaft. Eine Umfrage des Verbraucherschutzministeriums stellte 2010 fest, dass die Hälfte der Zehntklässler*innen nicht wusste, was ein Girokonto ist. Diese erschreckende Zahl macht deutlich, dass der momentane Wirtschaftsunterricht in deutschen Schulen nicht in der Lage ist, elementarste Kenntnisse über wirtschaftliche Zusammenhänge zu vermitteln. Angesichts der immer komplexer werdenden wirtschaftlichen Wechselbeziehungen in einer globalisierten Welt ist die breite Kenntnis wirtschaftswissenschaftlicher Grundlagen jedoch wichtiger denn je. Das gilt auch und in besonderem Maße in einer ökonomischen Krisensituation, in der wichtige Weichen für das zukünftige Wirtschaften gestellt werden. Da Wirtschaft alle Menschen betrifft, darf die Debatte um Wirtschaftspolitik nicht weiter zur Elitendebatte verkommen, sondern muss auf eine breite gesellschaftliche Diskussionsbasis gestellt werden. Nur so kann dem Gefühl, „den Märkten” ausgeliefert zu sein, eine wirklich demokratische Gestaltungsmöglichkeit entgegengesetzt werden.

Warum das heutige System nicht funktioniert
Mit Ausnahme der Wirtschaftsgymnasien sind Wirtschaftswissenschaften in Niedersachsen immer ein Anhängsel des Politikunterrichtes. Die geringe Zeit, die in diesem Fach „Politik und Wirtschaft” für Wirtschaftsthemen zur Verfügung steht, reicht nicht aus, um über die elementarsten Grundlagen wie Angebot, Nachfrage und Preisgleichgewicht hinauszugehen. Häufig wird nicht einmal die Funktionsweise von Zinsen thematisiert, geschweige denn unterschiedliche Theorien der Volkswirtschaftslehre angesprochen. Hier wird der Staat seinem Bildungsauftrag nicht gerecht, da er Schüler*innen häufig als wirtschaftswissenschaftliche Laien in eine Welt entlässt, die immer stärker ökonomisiert wird. Dieser Zustand ist verantwortungslos und muss dringend geändert werden!

Unser Gegenentwurf: Ein eigenständiges Wirtschaftsfach
Die GRÜNE JUGEND Niedersachsen fordert ein eigenständiges Fach „Wirtschaft”. Dieses soll möglichst früh erteilt werden und alle wirtschaftspolitisch relevanten Aspekte abdecken. Dabei geht es nicht nur um die Vermittlung von Grundlagenwissen, sondern um eine echte Sensibilisierung für ökonomische Debatten. Zu diesem Zweck fordern wir, dass Schüler*innen über möglichst viele konkurrierende Theorien informiert werden. Wir wollen, dass sie dadurch einen möglichst breiten Überblick über verschiedene Argumentationsstränge bekommen und sich ihre Meinung möglichst unbeeinflusst bilden können. Damit wirken wir der Fehlentwicklung entgegen, dass die neoliberale Sichtweise in den meisten Medien als alternativlos kommuniziert wird, oder lediglich durch die neokeynesianische Forderung nach Konjunkturprogrammen in Frage gestellt wird. Wir fordern keineswegs, dass am Ende alle Schüler*innen wachstumskritische Antikapitalist*innen sind. Allerdings müssen auch Theorien abseits des wirtschaftswissenschaftlichen Mainstreams eine faire Chance im Wettbewerb der Ideen bekommen. Und das meint nicht nur die Beschäftigung mit dem Green New Deal, sondern beispielsweise auch die ausführliche Behandlung wachstumskritischer und antikapitalistischer Theorien wie die Marxsche Theorie und der Schriften seiner modernen Rezipient*innen. Ein Wirtschaftsunterricht, wie wir ihn fordern, kann dazu einen wichtigen Beitrag leisten.