Anfang des Jahres erschien das Buch „Das Ende der Männer. Und der Aufstieg der Frauen“. Der US-amerikanischen Schriftstellerin Hanna Rosin. Sie betrachtet die aktuelle Situation in den USA, wonach Frauen an Schulen und Hochschulen in der Überzahl sind und die durchschnittlich besseren Abschlüsse machen als Männer. Zudem leisteten zum ersten Mal in der amerikanischen Geschichte mehr Frauen als Männer Lohnarbeit. Die Frauen hätten sich bei der Transformation der Industrie- zu einer Dienstleistungs- und Informationsgesellschaft als anpassungsfähiger erwiesen. Sie punkteten mit den Anforderungen der modernen Dienstleistungsgesellschaft: Flexibilität, soziale Intelligenz, Kommunikationsfähigkeit, während sich Männer überfordert zeigten. Diese Veränderungen hätten eine Dynamik in Gang gesetzt, die das Verhältnis zwischen den Geschlechtern nachhaltig verändere. Der postindustrielle Teil der Welt ist auf dem Weg vom Patriarchat ins Matriarchat.

Die Sicht Rosins erfreut sich großer Beliebtheit und fördert das Bild der Emanzipation durch Leistung. Hier setzt sich ein Bild von Feminismus durch, das nicht an den Grundproblemen rüttelt. Es ist eine Anpassung an die Anforderungen des Kapitalismus und der postindustriellen Arbeitsmoral. Der zermürbende Anspruch, das typische Leben der Karrieremänner, die keine Freizeit haben und immer im Stress sind, wird auf Frauen übertragen.

Dabei nutzt Rosin die Geschlechterdifferenz, die Frauen an sich Männern an sich gegenüberstellt, was allein schon an der Realität vorbeigeht. Zudem ist es wie so oft eine rein weiße Perspektive, die hier reproduziert wird. Der Blick richtet sich dabei nur auf die Lohnarbeit. Anerkennung findet nur die bezahlte Arbeit. Das Recht auf Faulheit bleibt unbeachtet.

Der Leistungswahn, mit der immer gleichen, verkommenen Arbeitskultur, dem Primat der ständigen Erreichbarkeit und der Selbstvermarktung soll die Erlösung aus der Unterdrückung darstellen. Zurück bleiben die nach wie vor existierenden Fakten: Fleiß führt nicht notwendig zum Erfolg und Machtpositionen werden keineswegs verlässlich an Leistungsträger verteilt.

Erfolglosigkeit darf nicht zum Verbrechen werden und Leistungsfixierung nicht zum Lebenssinnersatz. Nach wie vor müssen wir die Verschränkungen und gegenseitigen Abhängigkeiten der gesellschaftlichen Herrschaftsverhältnisse erkennen und angehen. Eines durch das andere zu ersetzen ist keine Lösung.