Leitantrag an die Landesmitgliederversammlung 13. – 15.04.2007 in Braunschweig
Antragsteller: Landesvorstand der GRÜNEN JUGEND Niedersachsen

In Deutschland wird ein Menschenrecht verletzt und kaum jemand wehrt sich. Der UNO-Sonderberichterstatter für das Recht auf Bildung bescheinigt unserem Bildungssystem eine „ausgrenzende Wirkung“. Opfer sind „SchülerInnen aus armen Verhältnissen sowie SchülerInnen mit Migrationshintergrund oder Behinderungen“. Benachteiligung ist immer ein inakzeptabler Zustand. Wenn sie die Schwächeren und neu Angekommenen trifft, ist sie schier unerträglich. Es ist Zeit, endlich die Konsequenzen zu ziehen!

Bildung für alle und jedeN

Im jetzigen Bildungssystem sind die Kinder der VerliererInnen von gestern fast zwangsläufig die VerliererInnen von heute. Gerechtigkeit im Bildungssystem heißt: Die Bildungschancen von Kindern dürfen nicht vom Status ihrer Eltern abhängen! Frühe Auslese und systematische Ausgrenzung in Kindergarten und Schule sowie mangelnde Finanzierung machen das niedersächsische Bildungssystem ungerecht.

Um faire Chancen für Bildung und eine sozial integrierte Gesellschaft zu schaffen, bedarf es einer Kombination sozialstaatlicher Maßnahmen, die den Zugang zu Beteiligung, Wissen und Wohlstand für Benachteiligte verbessern. Dazu gehören besonders Maßnahmen zur Bekämpfung der gravierenden Kinderarmut, die ein massives Hindernis für erfolgreiche Bildung darstellt. Auch Kindergärten und Schulen müssen sich selbst der gesellschaftlichen Realität stellen: es muss erkannt werden, dass unsere Gesellschaft aus Menschen unterschiedlicher Lebensformen, Religionen und Kulturen geformt wird und in dieser Vielfalt lebt. Gegenseitige Anerkennung und Wertschätzung der Unterschiede bilden nicht nur im Bildungssystem die Grundlage, um jedeR/M Einzelnen gerecht zu werden. Ein Bewusstsein für den Unterschied bedeutet auch, zu bemerken, wenn ganze Gruppen ihrer Bildungschancen beraubt werden.

Bildungsreformen in Niedersachsen – Kein Zurück zur Ständegesellschaft!

Mit ihrer Bildungspolitik hat sich die schwarz-gelbe Landesregierung anscheinend vorgenommen, den Trend zu Ausgrenzung und Auslese noch zu verstärken: die Aufteilung der SchülerInnen auf Hauptschulen, Realschulen und Gymnasien findet jetzt bereits in der 4. Klasse statt. Förderschulen existieren weiterhin parallel und abgegrenzt dazu. Durch das Verbot, neue integrierte Gesamtschulen einzurichten, gibt es für viel zu wenige SchülerInnen die Möglichkeit, sich diesem Irrsinn zu entziehen. Der Druck auf SchülerInnen und LehrerInnen wurde mit Einführung des Abiturs nach 12 Jahren und der Oberstufenreform erhöht. Gleichzeitig bedeuten eine schlechte Unterrichtsversorgung und unverantwortlich große Klassen nach wie vor verschärfte Verhältnisse, unter denen an Schulen gelernt werden muss. Mit der Eigenverantwortlichen Schule soll ein zweifelhaftes Verständnis von Demokratie Einzug erhalten. Die Abschaffung der Lernmittelfreiheit bedeutet für einige SchülerInnen, dass sie auf Lehrbücher verzichten müssen.

Diese Bildungspolitik führt uns zurück in eine längst überholte Ständegesellschaft. Bildungsreformen für eine sozial integrierte Gesellschaft sehen anders aus:

Frühkindliche Förderung in Deutschland – Bildung beginnt mit der Geburt!

In der Bundesrepublik Deutschland, die sich zu den internationalen Menschenrechten bekennt, gewinnt jeder Mensch mit seiner Geburt das Recht auf Bildung.

Die Pflege und Erziehung der Kinder stellt nicht nur ein wichtiges Recht, sondern auch die oberste Pflicht der Eltern dar. Aber ebenfalls in Krippen und Kindergärten findet wichtige Förderung statt, die die Grundlage für soziale Integration bilden. Sie wirkt sich nicht nur persönlichkeits- und entwicklungsfördernd auf jedes einzelne Kind aus, sondern begünstigt zudem das Erlangen sprachlicher und sozialer Kompetenzen. Deshalb sollte der staatliche Bildungsauftrag nicht erst mit der Einschulung, sondern bereits im Kleinkindalter beginnen, in dem die wesentlichen Voraussetzungen für alle späteren Bildungsprozesse geschaffen werden.

Diese Forderung bezieht sich auf das Erlernen bestimmter Sachverhalte auch im Sinne eines vorschulischen Unterrichts – sie ist als Erlebnis der Natur, als Entdecken unterschiedlicher Materialien sowie als Förderung sprachlicher und sozialer Kompetenzen aufzufassen. Hierbei muss immer die angeborene, natürliche Neugier im Vordergrund stehen und der Kreativität eines jeden Kindes freien Lauf gelassen werden. Lernzwang und Frontalunterricht sowie jegliche Bestrebungen, die kindliche Entwicklung an wirtschaftliche Interessen zu binden, lehnen wir ab.

Die GRÜNE JUGEND Niedersachsen fordert deshalb:

  • Ein Kindergartenjahr soll für alle Kinder verpflichtend und kostenlos sein. In Niedersachsen soll die Anzahl der Kinderkrippenplätze erhöht werden. Die täglichen Öffnungszeiten der Kindergärten müssen ausgeweitet werden.
  • Im gleichen Atemzug muss die Ausbildung von ErzieherInnen um wichtige Aspekte wie Mehrsprachigkeit, Multikulturalität und Heilpädagogik (Arbeit mir behinderten Kindern) sowie genderspezifische Themen erweitert werden und Fortbildungen angeboten und finanziert werden.

Ganztagsbegegnungsschulen – Lernt ihr noch oder lebt ihr schon?

Immer mehr Schulen in Niedersachsen werden Ganztagsschulen. Das ist gut und wichtig! Doch um Kindern und Jugendlichen auch nachmittags gute Angebote zu Bildungs- und Freizeitgestaltung machen zu können, muss ihre Ausstattung mit Geld und Personal massiv ausgeweitet werden. Um mehr soziale Integration zu schaffen, wollen wir unsere Schulen zu Zentren öffentlichen Lebens und der Begegnung machen:

  • Schulen sind Lebensraum: mit freundlichen Lern- und Aufenthaltsräumen und dem Angebot eines kostenlosen, ökologisch produzierten Mittagessen für jedeN!
  • Schulen sind Begegnungsstätten: Hier treffen sich Menschen unterschiedlicher Kulturen, unterschiedlichen Alters, mit Behinderung oder ohne und arbeiten, reden, spielen zusammen.
  • Schulen sind Orte der Freizeitgestaltung: Sport- und Musikangebote, die für Kinder und Jugendliche kostenlos sind, werden in Kooperation mit Vereinen und anderen Schulen angeboten.
  • Schulen sind freier Raum der Kunst: in Schulen finden Ausstellungen und Konzerte statt.
  • Schulen sind ein Ort für Familien: kostenlose Beratung und Elternkurse sollen helfen, dass alle Eltern ihrem Erziehungsauftrag nachkommen können und Konflikte in der Familie gewaltfrei gelöst werden.
  • Schulen sind Keimzellen der Demokratie: SchülerInnen und LehrerInnen fällen Entscheidungen gemeinsam in basisdemokratischen Abstimmungen und einem Schulparlament, in dem sie zu gleichen Teilen stimmberechtigt sind und jede Lerngruppe vertreten ist. Stadtteilorientierte Politik findet in Schulen einen Ort für BürgerInnenversammlungen, Sitzungen von Planungszellen (siehe Beschluss „Grüne Kommunen: Bitte Mitmachen!“ der Landesmitgliederversammlung vom 26.03.2006) und andere Instrumente offener Ratsarbeit. BürgerInneninitiativen und der Bezirksrat finden in der Schule einen kostengünstigen Raum für öffentliche Treffen und Veranstaltungen.
  • Schulen sind Orte des lebenslangen Lernens: in Schulen finden auch weiterhin Weiterbildungsangebote und Erwachsenenbildung der Volkshochschulen statt.

Schulen erhalten den Auftrag, sich mit ihren Angeboten am Ziel einer sozial integrierten Gesellschaft zu orientieren. Sie sollen ihre Offenheit für alle von Ausgrenzung bedrohten Gruppen überprüfen und regelmäßig Rechenschaft gegenüber der Schulöffentlichkeit ablegen.

SchülerInnensortiermaschine zerlegen – Für eine gemeinsame Schule!

Das Ende des vielgliedrigen Schulsystems in Deutschland naht: Nach mehreren Ostbundesländern und dem Saarland lässt nun auch Schleswig-Holstein Haupt- und Realschulen zusammenlegen. CDU-regierte Länder wie Hamburg und Hessen wollen folgen. Ihre Motivation dabei sind sinkende SchülerInnenzahlen und die Erkenntnis, dass Probleme sich vielerorts an Hauptschulen sammeln.

Wir wollen Förderschulen, Hauptschulen, Realschulen und Gymnasien in Niedersachsen abschaffen, damit keinem Kind bereits nach der 4. Klasse ein Bildungsweg verbaut wird! Für uns ist deshalb klar: Die alleinige Zusammenlegung von Haupt- und Realschule ist höchstens ein kleiner Schritt in die richtige Richtung. Der Kampf gegen Auslese und Ausgrenzung im Schulsystem ist erst gewonnen, wenn alle SchülerInnen das Recht erhalten, bis mindestens zur 9. Klassenstufe gemeinsam zu lernen und zu leben. Der Versuch, Gymnasien zu erhalten, verhindert, dass in den Köpfen von Eltern und LehrerInnen ein Umdenken stattfindet: weg von den mangelhaften Schulformempfehlungen und dem Ideal möglichst gleichförmiger Klassen, hin zu einer Lernkultur, die jedeN mit unterschiedlichen Stärken und Schwächen annimmt und fördert.

  • Wir wollen eine Schule, die allen offen steht: Leistungsstarken und Leistungsschwachen, Behinderten, Kindern von Reichen und Armen und den Kindern von Flüchtlingen.
  • Individueller Unterricht und gezielte Förderung von Ausgrenzung bedrohter Gruppen innerhalb der Lerngruppe erlauben, dass jedeR nach eigenen Interessen und Geschwindigkeit lernt und trotzdem keineR den Anschluss verliert.

Bildungsfinanzierung – Investition in die Zukunft!

Im internationalen Vergleich investiert die Bundesrepublik mit 9,8 % der gesamten öffentlichen Ausgaben nur einen Bruchteil der zur Verfügung stehenden Mittel in die Bildung. Damit rangiert sie weit abgeschlagen hinter Ländern wie Mexiko (23,9 %), Norwegen (16,1 %), Großbritannien (12,7 %) und Frankreich (11 %). Ohne ausreichende Finanzierung bleiben jedoch alle Veränderungen im Bildungssystem wirkungslos. LehrerInnen können nur in ausreichend kleinen Lerngruppen mit jedeR SchülerIn individuell arbeiten. Der Umgang mit modernen Medien, sowie praxisnaher Unterricht, zum Beispiel in den Naturwissenschaften, verlangt eine häufigere Neuausstattung mit zeitgemäßen Geräten und Materialien.

Für uns ist selbstverständlich, dass die Finanzierung von Bildung nach wie vor eine staatliche Aufgabe bleiben muss. Eine Privatisierung von Bildungskosten, wie beispielsweise bei den Gebühren von Kindertagesstätten, belastet immer sozial Schwächere und verstärkt Auslese und Ausgrenzung. Den vermeintlichen Sachzwängen leerer öffentlicher Kassen wollen wir mit neuen Einnahmequellen begegnen. Mehr Geld für Bildung lässt sich nicht allein durch Umschichtungen im Haushalt erreichen.

Die GRÜNE JUGEND Niedersachsen fordert deshalb:

  • Die niedersächsische Landesregierung muss Bundesratsinitiativen zur Wiedereinführung der Vermögenssteuer und Reformen von Erbschafts- und Einkommenssteuer starten. Ziel ist es das Steueraufkommen zu erhöhen, um die zusätzlich eingefahrenen Gelder direkt in die Bildungsfinanzierung fließen zu lassen.
  • Außerdem sollen durch Maßnahmen der Energieeffizienz gesparte Mehrausgaben ebenfalls zur Förderung schulischer Anliegen investiert werden.
  • Die Lernmittelfreiheit in Niedersachsen muss wieder eingeführt werden.

Neben dieser Neuausrichtung der niedersächsischen Kindergärten und Schulen und einer verbesserten Finanzierung, von denen alle Kinder und Jugendliche profitieren sollten, verdienen von Benachteiligung besonders bedrohte Gruppen, besondere Aufmerksamkeit:

Migrationskinder – Bunt macht Schule!

Durch den Einfluss unterschiedlicher Kulturen gewinnt Deutschland an Farbe. Doch die Herausforderungen einer bunten Republik verlangen einen radikalen Wandel im Bildungsbereich: Schule darf sich nicht von einer vermeintlichen deutschen Leitkultur verblenden lassen, sondern muss sich zukünftig an der Realität einer mehrsprachigen, multikulturellen und demokratischen Gesellschaft orientieren.

Die GRÜNE JUGEND Niedersachsen fordert deshalb:

  • Sprachförderung stellt ein wichtiges Konzept bei der Integration von Menschen anderer Muttersprachen dar. Förderprogramme müssen ausgebaut und ein Flächen deckendes Angebot von der Kinderkrippe bis zur Oberstufe zur Verfügung gestellt werden. Sprachförderung in Deutsch muss koordiniert mit der Festigung der muttersprachlichen Kenntnisse erfolgen.
  • Die Förderung muttersprachlicher Kompetenz spielt eine herausragende Rolle, die es zuerst aller Orts anzuerkennen gilt. Nur die Fähigkeit, ihre Muttersprache perfekt sprechen zu können, erlaubt es Kindern, ihre Gedanken und Gefühle in Worte fassen. Negative Einschränkungen ergeben sich aus der Situation, mehrere Sprachen nur ungenügend zu beherrschen. Bleibt die Förderung muttersprachlicher Kompetenz aus, verschlechtern sich die Ausgangsbedingungen und die Bildungsentwicklung des Kindes wird gehemmt.
  • Einbindung der Eltern muss von oberster Dringlichkeit bei der Beratung zur schulischen Laufbahn und außerschulischen Förderung von Kindern mit Migrationshintergrund sein.
  • Außerdem müssen Mehrsprachigkeit und Multikulturalität bei der Ausbildung und Einstellung von LehrerInnen, SchulpsychologInnen und BerufsberaterInnen als Themenschwerpunkte noch stärker berücksichtigt werden.
  • Um Kindern illegalisierter Menschen in Deutschland den Schulbesuch zu erleichtern, sollte Schulpersonal von seiner Pflicht nach dem Ausländerrecht entbunden werden, den Schulbesuch dieser Kinder an die Ausländerbehörde zu melden.

Demokratie, Medien & Ethik – Lebenswissen statt Wissensabfertigung

Zunehmend beschränkt sich der Unterricht in Niedersachsens Schulen auf die klassischen Fächer wie Mathe, Deutsch, Naturwissenschaften und Geschichte. Wo immer gekürzt werden muss, fallen künstlerische Bildung und Gesellschaftsgestaltung hinten runter. So sehr sich die Wirtschaft über die Vermittlung wichtiger Fachkenntnisse freut, verbleibt für die Vermittlung wichtiger Kompetenzen im Bereich Demokratie, Medien und Ethik keine Zeit mehr. Dies muss ein Ende haben. Das Erlernen und Erleben von demokratischer Partizipation und gemeinsamer ethischer Verantwortung, sowie Kernkompetenzen bei der Nutzung von Medien sind gesellschaftliche Werte, die zu Bildungs- und Integrationserfolg fundamental beitragen.

Die GRÜNE JUGEND Niedersachsen fordert, dass

  • jede Klasse in Niedersachsen eine Wochenstunde für das Erleben und Gestalten von Demokratie bekommt, bei der die SchülerInnen untereinander über ihren Schulalltag diskutieren und sich in die Gestaltung desselben einbringen können.
  • Zudem muss ein zusätzliches Fach Medien- und Ethikunterricht für alle SchülerInnen eingeführt werden, das Teil des verpflichtenden Lehrplans ist. Dies ist nicht mit dem Religions(ersatz)unterricht gleichzusetzen.
  • Langfristig fordern wir eine Änderung des Grundgesetzes, um den Religionsunterricht gänzlich aus den Schulen verbannen und durch einen vergleichenden Kultur- und Philosophieunterricht ersetzen zu können.

SchülerInnen mit Behinderungen – Eingliedern statt ausgrenzen!

Das gemeinsame Leben und Lernen von behinderten und nicht behinderten Kindern stellt in Niedersachsen noch immer eine Seltenheit dar. Doch warum, muss man sich fragen, werden Menschen mit körperlichen und/ oder geistigen Beeinträchtigungen im 21. Jahrhundert noch immer wie Aussätzige im Mittelalter behandelt? Kinder und Jugendliche mit Behinderungen sollten nicht isoliert von der Außenwelt in so genannten Förderschulen, die im Allgemeinen ab- und ausgrenzende Sonderschulen darstellen, unterrichtet werden.

Die GRÜNE JUGEND Niedersachsen fordert deshalb:

  • Mehr Integration wagen! Behinderte und nicht behinderte Kinder müssen von Anfang an gemeinsam und unter einem Dach spielen und später unterrichtet werden. Nur durch direkten sozialen Kontakt können nicht behinderte Kinder für Menschen mit Beeinträchtigungen sensibilisiert werden. Berührungsängste werden nach und nach abgebaut oder keimen erst gar nicht mehr auf.
  • Jedes Kind, egal ob mit oder ohne Behinderung, muss ein Rechtsanspruch auf den Schulbesuch der gemeinsamen Ganztagsschule haben. Wenn ein Team aus Sonder- und Sozialpädagogen und Eltern möglichst mit der/ dem Betroffenen zu dem Entschluss kommen, dass eine Integration nicht zum Wohle des Kindes wäre, müssen entsprechende Schutz- und Rückzugsräume innerhalb dieser Schule angeboten werden.
  • Dazu sind zusätzliche Qualifikationen von ErzieherInnen und unterrichtenden Lehrkräften von Nöten. Eine entsprechende Vertiefung der Ausbildung bzw. des Studiums um den Fachbereich der Heil- bzw. Sonderpädagogik ist unumgänglich.

Jungen – Gezielt fördern statt vernachlässigen!

Die Orientierung an gesellschaftlich geprägten Geschlechterrollen spielt in der Kindererziehung noch immer eine entscheidende Rolle. Mädchen- und Jungenarbeit soll jungen Menschen helfen, sich mit den an sie gerichteten Erwartungen und ihren eigenen Erfahrungen im Zusammenhang mit ihrer jeweiligen Geschlechterrolle auseinander zu setzen und ein gestärktes Selbstbewusstsein zu entwickeln.

Mädchenarbeit hat in der Vergangenheit eine starke Förderung erfahren und Erfolge erzielt, wenngleich sie es bisher nicht geschafft hat, die Benachteiligung von Frauen in Berufsleben und Gesellschaft zu beheben. Für die Jungenarbeit wurde lange Zeit angenommen, dass sie überflüssig sei, da sich das vermeintlich starke Geschlecht von alleine durchsetzen könne. Ein Blick in die Schulen beweist jedoch: seit den Bildungsreformen der 1970er Jahre erzielen Mädchen und junge Frauen bessere Bildungsabschlüsse als Jungen. Der PISA-Test hat ergeben, dass Jungen bei der grundlegenden Lesekompetenz größere Schwierigkeiten haben als Mädchen. Mit sozialen Problemen haben überwiegend männliche Kinder und Jugendliche zu kämpfen. In Kindertagesstätten und Grundschulen gibt es so gut wie keine männlichen Vorbilder, der Kenntnisstand über die besonderen Bedürfnisse von Jungen ist gering.

Die GRÜNE JUGEND Niedersachsen fordert deshalb:

  • Die vielerorts erfolgreiche Mädchenarbeit muss um eigenständige, von vor allem männlichen Sozialpädagogen durchgeführte Jungenarbeit ergänzt werden. Schulen und Kindertagesstätten sollen sich damit auseinandersetzen, wie sie die besonderen Bedürfnisse von Jungen in ihre tägliche Arbeit einfließen lassen. Kulturelle Unterschiede in der Wahrnehmung von Geschlechterrollen müssen dabei besonders berücksichtigt werden.
  • Junge Männer sollen gezielt angesprochen und geworben werden, um sich als Erzieher oder Grundschullehrer ausbilden zu lassen.

Tagtäglich wird in Niedersachsen das Menschenrecht auf Bildung verletzt. Lasst uns nicht länger wegsehen. Gemeinsam kämpfen wir für faire Kindergärten und Schulen und eine bessere Bildung für alle!