Um gegen die menschenverachtende Realität in der deutschen Flüchtlingspolitik zu protestieren, sammelte die GJ Hannover zusammen mit dem Landesvorstand am Rande des Länderspiels Mexiko-Angola Unterschriften.

Angola gegen Mexiko. In Hannover. Ein riesiges Fanfest. Ein Grund zu unbeschwertem Jubel für alle? Leider nicht ganz. Wer in permanenter Angst und mit einer dauerhaft ungewissen Zukunft lebt, dessen Sorgen lösen sich auch während der Fußball-WM nicht einfach in Luft auf. Die Rede ist hier von den rund 200.000 Flüchtlingen, die in Deutschland geduldet sind. Die Duldung ist kein dauerhaftes Bleiberecht. Sie wird Menschen gewährt, deren Asylantrag abgelehnt worden ist, bei denen aber die Abschiebung zunächst nicht durchgeführt werde kann (z. B. wegen schweren Erkrankungen oder weil dem Flüchtling in seinem Herkunftsland Folter oder Tod drohen!). Sie kann jederzeit widerrufen und die Abschiebung daraufhin sofort vollstreckt werden. Rund 120.000 Mensche leben mit dieser permanenten Ungewissheit bereits seit über 5 Jahren in Deutschland.
Wenn es nach Niedersachsens Innenminister Schünemann geht, dann wird sich Deutschland zumindest mit dem Titel des Abschiebeweltmeisters schmücken. Schünemann blockiert bislang alle Versuche, dauerhafte, stabile Bleiberechte für die langjährig geduldeten Flüchtlinge zu erteilen. Stattdessen bemüht sich Schünemann, die Anzahl der vollzogenen Abschiebungen massiv und mit teilweise großer Brutalität zu erhöhen.
Um gegen diesen unmenschlichen Zustand und die menschenverachtende Abschiebpraxis zu protestieren sammelte die GRÜNE JUGEND Hannover unter tatkräftiger Unterstützung des niedersächsischen Landesvorstandes am Freitag, 16. Juni, Unterschriften in der Hannoveraner Innenstadt. Die Unterschriftensammlung erfolgte im Rahmen einer Kampagne von PRO ASYL, mit dem Ziel einer dauerhaften Bleiberechtsreglung für Flüchtlinge in Deutschland. Die Stimmung in der Innenstadt war kurz vor dem Länderspiel Mexiko – Angola insgesamt gut. Der mehrsprachige Flyer „Stay here!“sorgten dafür, dass auch die ausländischen Fußballfans ausreichend informiert wurden. Allerdings kam es in zwei Fällen zu massiven rassistischen Pöbeleien von Passanten. Nicht von Skinheads, sondern von dem äußeren Anschein nach gutbürgerlichen Menschen. Rassistisches Gedankengut kann leider auch durch eine fröhliche Fußball-WM nicht überall überwunden werden.
Insgesamt sammelten wir rund 100 Unterschriften für eine humane Flüchtlingspolitik. Dieses positive Feedback war für uns versöhnlich und half uns dabei unsere Wut über die Pöbeleien der unverbesserlichen Rassisten in den Hintergrund treten zu lassen.
Helge Limburg, 23, ist Sprecher der GRÜNEN JUGEND Niedersachsen, überzeugter Antirassist und Angolafan.

Siehe auch:

Rote Karte für Deutschlands Abschiebetaktik!
Unterschriftenkampagne von PRO ASYL für ein Bleiberecht von langjährig in Deutschland lebenden Menschen.
Mehrsprachiger Flyer Stay here der GRÜNEN JUGEND Hannover zur Aktion