Pressemitteilung, Samstag, den 15. Februar 2020

Wie aus dem aktuellen Kinder- und Jugendreport der Krankenkasse DAK-Gesundheit hervorgeht, leiden immer mehrSchüler*innen in Niedersachsen unter Depressionen und Angststörungen. Mit 29.000 ist die Zahl der betroffenenSchüler*innen innerhalb eines Jahres um 10 Prozent gestiegen.Darüber hinaus zeigen fast 30 Prozent aller Schüler*innen in Niedersachsen psychische Auffälligkeiten oder haben Verhaltensstörungen.

 

Dazu Svenja Appuhn, Sprecherin der GRÜNEN JUGEND Niedersachsen: „Ein Faktor für diese Entwicklung ist der immer weiter wachsende Leistungsdruck an niedersächsischen Schulen. Leistungdruck entsteht an vielen Stellen: ob durch die Aufteilung auf verschiedene Schulformen nach der vierten Klasse, Noten- und Versetzungsdruck oder durch die Angst, auf eine andere Schulform querversetzt zu werden. Vieles davon ließe sich ändern, wenn ein politischer Wille da wäre: längeres gemeinsames Lernen ohne Noten und Sitzenbleiben, ein rythmisierter Ganztagsunterricht, der immer wieder Entspannungsphasen in den Schulalltag bringt und die Flexibilisierung der Verweildauer etwa in der Oberstufe könnten Bausteine eines neuen Schulsystems sein. Ein Schulsystem, das die Neugierde junger Menschen fördert und sie in ihren Interessen unterstützt, anstatt ihnen durch Notendruck und Lernzwang die Lust am Lernen zu nehmen.“

Tomke Appeldorn, ebenfalls Sprecherin, ergänzt: „Die drastischen Zahlen der Studie zeigen auch, wie dringendnotwendig interprofessionelle Teams an Schulen sind. Eine massive Aufstockung der Schulsozialarbeit und eine bedarfsgerechte Anstellung von Schulpsycholog*innen, am besten direkt an der Schule, wären ein Meilenstein für den Umgang mit psychischen Erkrankungen an unseren Schulen. Dabei muss ein Ende der Stigmatisierung von Depressionen und psychischen Erkrankungen im Allgemeinen mitgedacht werden. Durch Stigmata besteht die Gefahr, dass ein offener und konstruktiver Umgang mit Depressionen und anderen psychischen Erkrankungen verhindert und eine angemessene und meist erfolgversprechende Behandlung erschwert wird. Dies kann zu einer Ächtung von an Depression erkrankten Menschen führen. Wir fordern einen differenzierten und würdevollen Umgang mit dem Thema Depression, in der Schulegenauso wie in der medialen Berichterstattung.“