Grüne Jugend Niedersachsen fordert Kultusminister Tonne zum Handeln auf und legt eigenes Schulkonzept vor

Die Ergebnisse der neusten PISA-Studie zeigen: In kaum einem Land schlägt die soziale Herkunft so stark auf den Bildungserfolg der Jugendlichen durch wie in Deutschland. Werden die 25 Prozent der privilegiertesten Jugendlichen mit den 25 Prozent der Schüler*innen aus den Familien mit dem niedrigsten sozioökonomischen Status verglichen, zeigt sich ein Leistungsunterschied von 113 Punkten. Das liegt deutlich über dem  OECD-Durchschnitt von 89 Punkten. Auch in Niedersachsen darf es nicht einfach ein „Weiter So“ in der Bildungspolitik geben.

Doch anstatt ein Konzept zur Entkopplung von sozialer Herkunft und Bildungserfolg vorzulegen, bleibt Kultusminister Tonne in seiner Kommentierung der Studienergebnisse ohne neue Maßnahmen.

Svenja Appuhn, Sprecherin der Grünen Jugend Niedersachsen, sieht darin ein Armutszeugnis und mangelnden Gestaltungswillen seitens des Kultusministers:
„Unser Kultusminister ruht sich darauf aus, dass die soziale Herkunft für den Bildungserfolg in anderen Bundesländern noch ausschlaggebender ist als in Niedersachsen (IQB Bildungstrend 2018). Minister Tonne sollte sich besser an die eigene Nase fassen und sich spätestens jetzt fragen, welche Maßnahmen in Niedersachsen ergriffen werden müssen, um den sozialen Gradienten zu senken. Wir können es nicht akzeptieren, dass sich Geldbeutel und Bildung der Eltern auf den Bildungserfolg der Kinder auswirken. Gebührenfreie Bildung alleine wird dieses Problem nicht lösen. Wenn der Kultusminister einen ernsthaften Diskurs ohne ideologische Scheuklappen fordert, fordern wir auch einen ernsthaften Diskurs über unsere Schulstruktur. Kaum ein anderes OECD-Land hat ein Schulsystem, dass Kinder im Alter von zehn Jahren auf verschiedene Schulformen auftrennt und damit de facto ihren weiteren Lebensweg vorbestimmt. Die Welt wandelt sich rasant – aber wann immer sich unser Schulsystem grundlegend verändern soll, verfällt Deutschland in Schnappatmung. Das muss sich ändern. Wir fordern dazu auf, Schule radikal neu zu denken – und endlich wirksame Maßnahmen zur Verringerung des sozialen Gradienten beim Bildungserfolg zu ergreifen.“

Die Grüne Jugend Niedersachsen hat bei ihrer Mitgliederversammlung im November ein neues Konzept zur Schule der Zukunft beschlossen. Dieses sieht vor, das gegliederte Schulsystem durch eine Schule für Alle zu ersetzen. Die Schule für Alle ist eine von Grund auf demokratisch organisierte, rhythmisierte Ganztagsschule, in der jahrgangsübergreifender Projektunterricht, Digitalisierung und Internationalisierung Grundpfeiler einer Bildung sind, die den Menschen in den Mittelpunkt stellt und auf die Herausforderungen der Gesellschaft vorbereitet.

Das Konzept findet sich hier: https://gj-nds.de/blog/2019/11/selbstbestimmt-gerecht-inklusiv-das-schulkonzept-der-gruenen-jugend-niedersachsen/