2008/08 Emden

Die Lebensverhältnisse in einer entwickelten Gesellschaft bekommen durch die Kultur, in die sie eingebettet sind, erst einen sinnhaften Zusammenhang: Kultur als Speicher des gesellschaftlichen Wissens und zugleich als Ort der Aushandlung ihrer Zusammenhänge sowie der Weiterentwicklung dieses Wissens. Kultur als sinnstiftender Zugang des Menschen zu ihrer/seiner Umwelt und als Raum der ästhetischen Freizügigkeit verbindet die sich überlappenden Generationen untereinander als Basis ihrer Verständigung und die Gesellschaft mit ihrer Geschichte. Dabei versteht die GRÜNE JUGEND Niedersachsen Kultur nicht als Dogma, das die Menschen an sich bindet. Kultur entwickelt sich mit jeder Einzelnen, die sie ausfüllt. Kultur lebt und wird gelebt!

Deshalb betrachten wir jedes Handeln und jede Praktik, die bedeutungsvoll interpretiert und mit Sinn und/oder Gehalt gefüllt wird, als kulturschaffende. Daraus folgt weiter, dass wir jede Ideologie der Bindung an eine als starr gedachte Kultur, Unterscheidungen zwischen „wertvolleren“ und „banalen“ oder gar „entarteten“ Formen von Kultur sowie die einseitige Förderung einer kulturellen Strömung als ethnozentristisch ablehnen. Stattdessen betrachten wir Kultur als dynamisches Geschehen, deren Zugang für alle offen und an dessen Ausgestaltung jedeR die Möglichkeit der Beteiligung haben sollte.

Die GRÜNE JUGEND Niedersachsen spricht sich für eine Aufhebung der Altersgrenzen beim Wahlrecht aus. Wir empfinden Wahlaltergrenzen als willkürlich und fordern für alle Menschen unter 18 Jahren, die von ihrem Grundrecht zu wählen Gebrauch machen wollen, ein, dass sie von ihrem WahlRECHT auch Gebrauch machen können. Die GRÜNE JUGEND Niedersachsen unterstützt in der Umsetzung das von Mike Weimann vorgestellte Konzept zur Aufhebung des Wahlalters. Jeder Mensch, der sich entscheidet wählen zu wollen, kann bei einer Behörde einen Antrag auf die Ausübung des Wahlrechts stellen. Von diesem Zeitpunkt erhält jeder Mensch nun eine Wahlbenachrichtigung zugeschickt und darf wählen. Die GRÜNE JUGEND Niedersachsen erhofft sich hiervon eine Minderung der derzeitig anschwellenden Politikverdrossenheit. Zudem glaubt sie, auf diese Weise Politikerinnen und Politiker von der Notwendigkeit, auch Kindern und Jugendlichen Gehör zu verschaffen, überzeugen zu können. Die GRÜNE JUGEND Niedersachsen beauftragt den Landesvorstand zudem im Namen des Landesverbandes gemeinsam mit allen anderen Landesverbänden mit gleicher Beschlusslage einen vergleichbaren Antrag auf dem kommenden Bundeskongress zu stellen.

Mit der auf der Kultusministerkonferenz beschlossenen G8-Reform wird unter anderem auch die Schulzeit am Gymnasium von 13 auf 12 Jahre verkürzt. Der auf 13 Jahren basierende Unterricht muss „ausgerümpelt“ bzw. gekürzt werden, weil alle davon auszugehen scheinen, dass die 11. Klasse nur ein „Ausruhjahr“ ist. Doch war und ist dem so, wie oft von der Landesregierung propagiert? Oder war Sie nur für manche zum relaxen und hat sie gar für viele die Chance eröffnet neue Erfahrungen mit Bildung außerhalb der Schule zu machen und eine 13 Jahre währende Repression erträglicher zu gestalten? Und selbst wenn die 11. Klasse de facto oft nur einen Übergang zur Oberstufe darstellt ist das nicht sofort mit der Abschaffung selbiger gleichzusetzen. Wir haben eine unzureichende Struktur in der 11. Klasse, die leider nicht jedes Individuum in seinem Lernprozess voranbringt. Also muss vielmehr die Situation evaluiert, Vorteile beibehalten, Nachteile verändert werden.

Das Idealbild ist der GRÜNEN JUGEND seit langem klar: Die Gesamtschule! Doch muss auch im vorhandenen System probiert werden dieses so sinnvoll und repressionsfrei wie möglich zu gestalten, bis wir unsere Utopie tatsächlich verwirklichen können. Denn ein Jahr weniger repressionistische Schulzeit heißt nicht insgesamt weniger Repression! Im Gegenteil für viele von uns Schülerinnen und Schülern wird die letzte Brücke zu Kreativität und Selbstentfaltung zerschlagen.